Ludwig-Maximilians-Universität München
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Aus der neuen MUM:

Studierende reichen Schülern die Hand

München, 01.08.2014

Bereits seit letztem Wintersemester gibt es die LMU-Schnupperstunden, in denen Schüler gemeinsam mit Studierenden Vorlesungen besuchen. Jetzt wird das Programm sogar noch ausgebaut: Bei den LMUniAbenden gibt es nicht nur Einblicke aus erster Hand in das Wunsch-Studienfach, sondern auch Tipps zu den späteren Berufsmöglichkeiten. Beide Programme sollen vor allem talentierte Jugendliche aus Nichtakademiker- und Familien mit Migrationshintergrund ansprechen.

Foto: Jan Greune

Der Bildungsweg von Oberstufenschülern hängt immer noch stark von der sozialen Herkunft ab. Wenn die Eltern studiert haben, schreiben sich deren Kinder zu 77 Prozent ebenfalls für ein Studium ein. Kommen die Jugendlichen aus Nichtakademikerfamilien, beträgt die Quote lediglich 23 Prozent. Oft fehlen Angebote, die ihnen den Zugang zur Hochschule erleichtern.

Dass für manche der Weg an die Universität schwerer ist, kennt auch LMU-Deutschlandstipendiat Jonas Heite aus seiner Schulzeit in Münster. „Damals habe ich zum ersten Mal mitbekommen, dass es für Schüler aus Nichtakademikerhaushalten oder mit Migrationshintergrund große Hindernisse auf dem Weg zum Studium gibt“, erzählt der 25-Jährige. Einer seiner Freunde habe daher lieber eine Lehre machen wollen, obwohl er bestens für die Universität geeignet gewesen wäre. Als Jonas beim Stammtisch des Deutschlandstipendiums von den vielen Projekten der anderen Stipendiaten hörte, beschloss er, selbst etwas gegen die soziale Undurchlässigkeit zu unternehmen. „Zuerst wollte ich ein Nachhilfeprojekt starten, bei dem Studierende und Stipendiaten Schülern helfen, sich auf ihr Abitur vorzubereiten“, erklärt Jonas.

Doch es kamen Zweifel auf: Könnten Studierende die regelmäßige Nachhilfe in Prüfungsphasen überhaupt gewährleisten? Kurz bevor er sein Projekt abhaken wollte, traf er auf Mariella Wilhelm vom Schwerpunktbereich Diversity Management der Zentralen Studienberatung. „Angeregt vom Engagement von Jonas und einer Studentin der Kommunikationswissenschaften, Lara Kobilke, entwickelte ich ein Konzept“, erzählt sie. Das Projekt LMUniAbende war geboren. Zu den Veranstaltungen können sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe aus dem Raum München anmelden. Sie erhalten während den Abendveranstaltungen in kleinen Gruppen von den Studierenden einen theoretischen und praktischen Einblick aus erster Hand in ihr Wunschfach. Anschließend geben Alumni Tipps zu Berufsmöglichkeiten und Karriereeinstieg. Zum Schluss dürfen die Schüler den Anwesenden Löcher in den Bauch fragen. Schon ab September werden Studierende von mindestens sechs Studienfächern erste LMUniAbende anbieten. „Jetzt müssen wir nur noch die passenden Räume finden“, seufzt der BWL-Student, der durch sein Master-Studium zeitlich momentan sehr eingespannt ist.

Für das Projekt werden noch weitere Studierende aus allen Fachbereichen gesucht. „Am besten Bachelor-Studenten, weil die sich noch gut an ihre eigene Schulzeit erinnern können“, betont Jonas. Aus dem BWL-Bereich hätten sich zwar schon einige seiner Kommilitonen gemeldet, aber gerade bei den „exotischen“ Fächern mangele es noch an Teilnehmern. Was die Studierenden den Schülern bei der monatlichen LMUni-Abend-Reihe in den rund zwei Stunden anhand von Texten, Übungsaufgaben oder Kurzvorträgen präsentieren, können sie je nach persönlichem Fachgebiet selbst entscheiden. Der Fokus soll dabei allerdings auf dem Ausprobieren und dem Entwickeln eigener Ideen liegen. Der Schwerpunktbereich der Zentralen Studienberatung hat einen Leitfaden für die Studierenden zusammengestellt, der das Konzept einfach erklärt. Jonas hofft, dass viele Oberstufenlehrer im Gymnasium oder an den Berufsoberschulen im Rahmen des P-Seminars Werbung für die LMUniAbende machen, damit möglichst viele Schüler mit Migrationshintergrund oder aus Nichtakademikerhaushalten davon erfahren. Im Idealfall tauschen die Studierenden bei den Veranstaltungen ihre Kontaktdaten mit den Schülern aus und bleiben so als eine Art Mentor über die Schulzeit der angehenden Abiturienten hinaus in Kontakt. Mariella Wilhelm plant derzeit gemeinsam mit dem Referat für Bildung und Sport im Juli eine Fortbildung für P-Seminarlehrkräfte: „Wir möchten den Lehrerinnen und Lehrern Informationen an die Hand geben, wie sie ihre Schüler besser bei der Studienorientierung unterstützen können. Hierzu gehört es auch, sie auf Studienorientierungsangebote wie die LMUniAbende aufmerksam zu machen.“ dl

Der Artikel ist aus der MUM-Serie „LMU macht Schule“. Das neue Münchner UniMagazin ist seit heute online und liegt ab Montag aus.