Ludwig-Maximilians-Universität München
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Paläontologie

Neuer alter Stammbaum

München, 03.11.2017

Wie ist die frühe Evolution der Dinosaurier verlaufen? Unter Experten ist darüber eine Debatte entbrannt. Um die Verwandtschaftsbeziehungen neu zu ordnen, ist es zu früh, belegt ein Team um LMU-Wissenschaftler Oliver Rauhut.

Saurier

Eine Frage der Verwandtschaft: Wie verlief die Evolution der Dinosaurier? Hier die frühe Art Saturnalia tupiniquim. Abbildung: Rodolfo Nogueira

Die Arbeit von englischen Paläontologen aus dem Fachblatt Nature schaffte es Anfang des Jahres in die Schlagzeilen. Kein Wunder, denn sie stellte Wissen infrage, das seit über 100 Jahren als unumstößlich gegolten hatte. Dinosaurier, das war bis zu dieser Veröffentlichung klar, lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen – nach ihrer Beckenstellung: Die sogenannten Vogelbeckensaurier (Ornithischia), zu denen Pflanzenfresser wie Stegosaurus, Triceratops oder auch Iguanodon gehören, und die Echsenbeckensaurier (Saurischia); in dieser Gruppe lassen sich wiederum die zweibeinigen Raubsaurier (Theropoden) und die langhalsigen Sauropoden zusammenfassen. Autoren um den Paläontologen Matthew Baron von der University of Cambridge stellten in ihrer Nature-Arbeit diesen Stammbaum der Dinosaurier komplett auf den Kopf. Eine internationale Gruppe von Dinosaurier-Experten, zu der auch der Paläontologe Oliver Rauhut von der LMU und der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie gehört, kommt nun, ebenfalls in Nature, zu einem deutlich anderen Ergebnis.

Laut Baron und seinen Mitautoren sollen die Raubsaurier zusammen mit den Vogelbeckensauriern eine neue Ordnung, die Ornithoscelida, bilden, ihnen stehen die Langhalssaurier als einzige Vertreter der Echsenbeckensaurier gegenüber. Auch stellt Baron den geografischen Ursprung der Dinosaurier infrage. Er liege nicht wie bislang angenommen im Süden des Superkontinents Pangäa, sondern im Norden.

Da diese Neuordnung so gravierend ist, haben Rauhut und seine Kollegen die Daten auf den Prüfstand gestellt. Das Team um Max Langer von der Universität Sao Paulo, Brasilien, hat dafür hunderte von Dinosaurier-Überresten aus aller Welt untersucht.

Für Rauhut und seine Kollegen ist die traditionelle Unterteilung in Ornithischia und Saurischia nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario, andere Modelle der Verwandtschaftsbeziehungen seien nicht auszuschließen, jedoch weniger wahrscheinlich. Die Einteilung der frühesten Vorfahren in die drei Hauptgruppen sei enorm schwierig, da sie alle recht ähnliche Merkmale hätten, räumt Rauhut ein. Die Frage nach dem Ursprung der Dinosaurier beantwortet das Experten-Team allerdings eindeutig: Nach der derzeitigen Datenlage spricht alles für den Süden Pangäas und damit die Südhalbkugel. Rauhut: „Es ist noch zu früh, die Lehrbücher umzuschreiben.“
Nature 2017