Ludwig-Maximilians-Universität München
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Verhaltensforschung

Masse und Meinung

München, 16.01.2017

Welchen Gehalt hat soziale Information im Internet? Führen kollektive Produktbewertungen zum Beispiel zu objektiven und nützlichen Ergebnissen? LMU-Forscher Petri Niemelä hat den Test gemacht – mit Biersorten.

Foto: ExQuisine / Fotolia.com

Jedermanns Meinung? Im Internet und in den Sozialen Medien ist sie gefragt, zu manchen wichtigen und vielen nicht ganz so entscheidenden Dingen. Alles darf bewertet werden, egal ob Postings oder Produkte. Doch wieviel sinnvolle Information lässt sich aus solchen Kollektivabstimmungen ziehen? Was sagen sie Verbrauchern beispielsweise über den tatsächlichen Wert von Waren? Sind solche Ratings in der Gesamtschau objektiv oder transportieren sie Verzerrungen durch Hypes oder „Herdenverhalten“? Petri Niemelä hat die Probe aufs Exempel gemacht. Auf Seiten, auf denen man Biersorten bewerten kann, macht der LMU-Forscher eine von den klassischen Kriterien her nutzbringende Form von sozialer Information aus: Sie ist von einer großen Gruppe zusammengetragen und deswegen robust, sie ist aktuell und sie ist unverzerrt.

Der Verhaltensökologe hat dafür einen Datensatz von rund 130.000 Bewertungen analysiert, die knapp 500 Bierfans im Laufe mehrerer Jahre auf einer finnischen Website abgegeben hatten. Die Varianz im Abstimmungsverhalten ließ sich in rund zwei Drittel der Fälle mit Unterschieden in den Eigenschaften der Biere erklären, was für Niemela für die Konsistenz des kollektiven Urteils spricht. Die Punktzahlen, die die Biere erreicht haben, sind auf der Website für alle offen zu sehen. Das könnte zu Verzerrungen führen, da vielfach die Abstimmenden womöglich dazu neigen, dem Urteil anderer zu folgen. Um diesen Effekt zu untersuchen, zogen die Wissenschaftler die Daten eines zweiten Bierportals heran, bei dem die Abstimmung „blind“ abläuft, man beim Abstimmen also nicht sehen kann, welche Scores die Biere schon erreicht haben. Für 50 Sorten konnte Niemelä die Bewertungen in den beiden Portalen direkt vergleichen: Die Unterschiede waren minimal. „Damit“, so folgert Niemelä, „repräsentieren Bierbewertungen eine vergleichsweise unverzerrte und informative Form sozialer Information.“
Behavioral Ecology and Sociobiology 2017