Ludwig-Maximilians-Universität München
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Genvergleich Yak und Rind

Mehr als Zufall

München, 30.01.2017

Zahm genug, um dem Menschen zu dienen, aber ausreichend robust, um auf 4000 Metern Höhe zu leben: LMU-Forscher belegen, dass mongolische Yaks über Jahrtausende mit Hausrindern gekreuzt wurden.

"Die Kreuzung von Yak und Rind begann offenbar schon vor mehr als 1500 Jahren ", sagt Ivica Medugorac. (Foto: Sonja Mathis)

Die erste systematische genomweite Vergleichsanalyse der beiden Spezies Yak und Rind zeigt, dass alle der untersuchten heutigen mongolischen Yaks einen bestimmten Prozentsatz an Rindergenen haben. Das Ergebnis verweist auf eine Jahrtausende alte Domestikationsgeschichte, wie Dr. Ivica Medugorac, Leiter der Arbeitsgruppe Populationsgenomik am Lehrstuhl für Tierzucht und Allgemeine Landwirtschaftslehre der LMU in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Genetics berichtet. „Die Kreuzung von Yak und Rind begann unseren Ergebnissen zufolge offenbar schon vor mehr als 1500 Jahren und sie wurde seither mit unterschiedlicher Intensität fortgesetzt“, sagt Medugorac und verweist auch auf alte schriftliche Quellen, die eine frühe Yak-Hybridisierung durch mongolische Züchter belegen.

Zusammen mit Dr. Aurélien Capitan von der Université Paris-Saclay, Dr. Stefan Krebs aus der Arbeitsgruppe „Laboratory for Functional Genome Analysis“ am Genzentrum der LMU und weiteren internationalen Kollegen hat Medugorac unter anderem die Verteilung der Rindergene im Yak-Genom bestimmt. „Die von uns entdeckten Varianten, die aus dem Rind in das Yak eingeführt wurden, finden sich in Genen, die insbesondere an der Entwicklung und Funktion des Nervensystems beteiligt sind. Sie beeinflussen unter anderem seine Intelligenz, sein Verhalten und seine Sensorik. Offensichtlich ist es den mongolischen Züchtern gelungen, über einen Zeitraum von Jahrtausenden durch Einkreuzen mit dem bereits vorher domestizierten Rind die Domestikation des Yak zu beschleunigen“. Zugleich sind die domestizierten Yaks weiterhin robust genug, um in den unwirtlichen Hochlagen des Himalayas, Pamirs und Altai leben zu können.

Bei der Studie wurde zudem eine neue Genvariante in Rind und Yak entdeckt, die kausal für ihre Hornlosigkeit ist. „Wir konnten nachweisen, dass diese schon vor langer Zeit aus dem mongolischen Turano Rind in das Yak eingekreuzt wurde“, sagt Medugorac. Die Hornlosigkeit ist nur eines der genetischen Merkmale, mit denen die Yakzüchter offenbar das Temperament der störrischen Tiere zu mäßigen versuchten. Dabei handelt es sich um eine andere Mutation als jene, die bei europäischen Rindern für die Hornlosigkeit verantwortlich sind und die ebenfalls durch die Arbeitsgruppe um Medugorac in vorangegangenen Studien entdeckt worden waren. Die Erkenntnisse werden seither in der Tierzucht genutzt, um natürlich hornlose Rinder zu selektieren und somit die schmerzhafte Enthornung zu vermeiden.
(Nature Genetics 2017)