Ludwig-Maximilians-Universität München
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Studie

Wie Nichtwähler denken

München, 20.12.2017

Warum gehen manche nicht zur Wahl? LMU-Soziologen haben dazu Münchner Nichtwähler befragt.

Foto: Gina Sanders / fotolia.com

Wählen oder nicht wählen? Für manche Menschen stellt sich diese Frage nicht – sie haben sich zu weit vom politischen Geschehen entfernt, um den Gang zur Urne überhaupt zu erwägen. Woran das liegt, zeigt nun eine Studie von Dr. Tomas Marttila und Philipp Rhein vom Institut für Soziologie der LMU in Kooperation mit der Fachstelle für Demokratie der Stadt München.

„In einigen Stadtbezirken war die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen im Jahr 2014 auffällig niedrig“, sagt Tomas Marttila. Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung im Stadtteil Milbertshofen-Am Hart, wo nicht mal jeder Dritte zur Wahl ging. In ganz München wählten durchschnittlich 58 Prozent nicht. Die Zahl der Nichtwähler hat damit gegenüber den vorhergehenden Wahlen um 7,3 Prozent zugenommen. Was den Soziologen auffiel: In Stadtteilen, in denen es mehr Arbeitslose gibt als anderswo, und wo mehr Sozialhilfe empfangen, sank die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich.

Die beiden Soziologen haben für ihre Studie 38 Nichtwählerinnen und –wähler in München befragt. „Ein undifferenziertes und negatives Bild von Politik ist dafür entscheidend, ob Menschen wählen gehen oder nicht“, fasst Philipp Rhein das Ergebnis der Befragungen zusammen. „Die sind alle gleich“, ist eine der typischen Aussage über Politik, die die beiden dabei gehört haben. „Diese Menschen haben den Eindruck, bislang nur negative Erfahrungen mit Politik gemacht zu haben. Dabei legen sie etwa ihre Erfahrungen mit Behörden zugrunde“, sagt Marttila. Dies werde verbunden mit konkreten Schuldzuweisungen. Bestimmte Personen würden zum Sündenbock gemacht. „Die eigene Frustration wird auf jemanden abgeladen. Ein bestimmter Politiker ist dann schuld an den eigenen negativen Erfahrungen.“ Diese negativen Einstellungen würden sich über die Zeit akkumulieren und auf Jüngere im privaten Umfeld übertragen, auch wenn diese selbst noch gar keine konkreten persönlichen negativen Erfahrungen mit Politik gemacht hätten.

Für Tomas Marttila und Philipp Rhein ist nach dem Projekt klar, dass man Nichtwählerinnen und -wähler „nicht mit Pauschalprogrammen“ erreichen könne. „Sie ignorieren allgemeine Informationskampagnen über die Politik“, sagt Rhein. Stattdessen müsse man gezielte Angebote entwickeln und die bisherigen Nichtwähler auf der Ebene ihrer Alltagserfahrung ansprechen.

Mehr zur Studie:

Tomas Marttila, Philipp Rhein: Warum Menschen nicht wählen gehen. Eine empirische Studie zu den politischen Lebenswelten in München