Ludwig-Maximilians-Universität München
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Kunstgeschichte

Im Spiegel der Objekte

München, 02.10.2017

Der Kunsthistoriker Philippe Cordez erforscht die Bedeutung von Objekten, die aus der Vormoderne stammen. Als Research Fellow an die LMU gekommen, leitet er inzwischen eine Nachwuchsforschergruppe des Elitenetzwerks Bayern.

Dr. Philippe Cordez leitet die Nachwuchsforschergruppe „Vormoderne Objekte. (Foto: Judith Glaubitz/LMU)

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Vielleicht kann man sich Philippe Cordez auch als Sachensucher vorstellen. Der Kunsthistoriker forscht über Objekte der Vormoderne, die er unter anderem in Museen auf der ganzen Welt entdeckt. Darunter sind Gegenstände, die einst Karl dem Großen zugeschrieben wurden, oder Elfenbeinkämme aus dem Früh- und Hochmittelalter, die mit ihren Funktionen die gängige Annahme darüber, was ein Kamm ist, auf die Probe stellen, weil sie eben nicht nur reine banale Gegenstände sind, sondern zum Beispiel für spirituelle Akte in Kirchen verwendet wurden. „Der Begriff Objekt und die Vorstellung, die wir heute davon haben als etwas Materielles, räumlich Begrenztes und funktional Definiertes, ist sehr jung, gerade einmal 200 Jahre alt“, sagt Cordez. Die Objekte, die er erforscht sind wesentlich älter, was zur verwirrenden Überlegung führt: „Was ist ein Objekt, wenn es kein Objekt ist? Als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass etwas, was so evident und alltäglich erscheint wie ein dreidimensionales Objekt, in Frage gestellt ist, hat mich das sehr erstaunt. Es gibt wohl eine sehr große Diversität der Beziehungen, die Menschen mit dem haben können, was wir heute Objekte nennen.“

In seiner Forschung deckt Philippe Cordez diese Beziehungen auf. „Die Kunstgeschichte hat sich von ihrer Gründung im 19. Jahrhundert an auch für Objekte zuständig gesehen, sich aber im 20. Jahrhundert mehr und mehr auf Bilder konzentriert. Die Architektur blieb immer dabei, aber dreidimensionale Objekte, die man in die Hand nehmen kann – was man im 19. Jahrhundert als Kunstgewerbe bezeichnete und weshalb es immer noch Museen für angewandte Kunst gibt – sind aus der universitären Forschung nahezu verschwunden. Wenn die Kunstgeschichte jedoch eine Bildwissenschaft wird, verliert sie einen Teil von sich selbst und viele Chancen in der Zusammenarbeit mit Museen, aber auch im interdisziplinären Austausch mit den anderen Geisteswissenschaften. Wir versuchen, in Verbindung mit den Bildwissenschaften die Objektwissenschaften in der Kunstgeschichte zu stärken und so das Fach noch anschlussfähiger zu machen für andere Disziplinen“, beschreibt er den Ansatz seiner Forschergruppe.

Denn Philippe Cordez, der im Jahr 2013 zunächst mit einem Research Fellowship an die LMU gekommen ist, hat bereits wenige Monate später die Leitung der Nachwuchsforschergruppe „Vormoderne Objekte“ des Elitenetzwerks Bayern übernommen. Seither verbindet der gebürtige Franzose das Fellowship mit seiner Position als Nachwuchsgruppenleiter. „Die Flexibilität des Fellowship-Programms schätze ich sehr. Ich musste sie von Beginn an in Anspruch nehmen“, sagt Cordez. In den ersten Monaten half ihm das Fellowship, die Nachwuchsgruppe vorzubereiten, inzwischen ermöglicht es, die Gruppe am Institut zu verankern und auch in die Lehre einzubinden.

Seite 2: Raffinesse und Bildung