Ludwig-Maximilians-Universität München
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Medienforschung zu Suizid

Auswege aufzeigen

München, 07.09.2017

Menschen mit Suizidgedanken kann die Berichterstattung über Suizide helfen, wenn sie auf die Überwindung von Krisen fokussiert.

Foto: Antonioguillem / fotolia.com

Berichte und Sendungen über Suizide können Nachahmungseffekte auslösen, was als „Werther-Effekt“ bezeichnet wird. Doch auch der umgekehrte Fall ist möglich: Medieninhalte können Betroffenen helfen und dadurch präventiv wirken, wofür die Bezeichnung „Papageno-Effekt“ verwendet wird. Ein aktuelles Beispiel für möglicherweise negative Konsequenzen liefert die aktuelle Serie „Tote Mädchen Lügen nicht“ („13 Reasons Why“) auf Netflix, die vom Suizid einer 17-Jährigen handelt und in 13 Folgen vermeintliche Ursachen dafür anbietet. Suizidexperten haben unter anderem eine minutenlange detaillierte Darstellung des Suizidaktes in dieser Serie kritisiert.

„Es kommt auf den Inhalt an, also auf das ‚Wie‘ der Darstellung. Wenn die erfolgreiche Bewältigung von Krisen im Vordergrund steht, kann das Betroffenen helfen, suizidale Krisen zu überwinden“, sagt Dr. Florian Arendt vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU. Anlässlich des World Suicide Prevention Day, der jährlich am 10. September stattfindet, weisen Florian Arendt und sein Kollege Dr. Sebastian Scherr auf mehrere Ansätze hin, wie die Rolle der Medien im Rahmen der Suizidprävention verbessert werden kann. Das betrifft sowohl die Art der Darstellung von Suiziden, etwa in Nachrichten, Filmen und Serien, als auch die Verbreitung von Information über Hilfsangebote wie zum Beispiel die Telefonseelsorge. Für die Presse gibt es bereits Empfehlungen, worauf bei der Berichterstattung über Suizide geachtet werden soll. Arendt und Scherr sprechen sich in einem aktuellen Beitrag für das British Medical Journal dafür aus, auch die Unterhaltungsindustrie stärker in die Pflicht zu nehmen. „Es sollten Richtlinien erarbeitet, verbreitet und umgesetzt werden, worauf bei der Darstellung von Suiziden geachtet werden sollte“, sagt Arendt. „Dazu könnten zum Beispiel Testvorführungen und die Konsultation von Experten gehören“, so Scherr.

Welche Auswirkung Berichte über Suizide haben können, zeigen etwa auch die Stichwort-Eingaben in Online-Suchmaschinen. Unmittelbar nach dem Suizid des Schauspielers Robin Williams, über den Medien intensiv berichteten, wurden zum Beispiel Stichworte wie „hanging“ und „commit suicide“ überdurchschnittlich oft bei Google eingegeben. Das zeigt eine Auswertung von Florian Arendt und Sebastian Scherr, die sie im Journal Crisis veröffentlichten. Daher sollten auch die Betreiber von Suchmaschinen im Internet den Forschern zufolge noch mehr für die Suizidprävention tun: „Suchmaschinen wie Google sollten Onlinenutzer, die bestimmte Stichwörter eingeben, noch stärker auf Hilfsangebote hinweisen“, so Scherr.

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Mehr zum Thema:

  • Google, hilf besser! (24.10.2016)
    Können Suchmaschinen Leben retten? LMU-Forscher entwickeln einen Ansatz, wie Google und andere Suchprogramme Hilfsangebote bei Suizidgefahr zielgerichteter als bisher einblenden könnten.