Ludwig-Maximilians-Universität München
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Entwicklung des Hirschgeweihs

Die Stammesgeschichte der Stirnwaffe

München, 19.12.2016

Bereits vor Millionen von Jahren, im Miozän, gab es Vorläufer der Hirsche, die ihre Geweihe abwarfen und erneuern konnten, zeigt eine neue Studie. Die Untersuchung kann dazu beitragen, die Evolution der Hirsche weiter aufzuklären.

Rothirsch (Foto: mbridger68 / fotolia.com)

Ein prägendes morphologisches Merkmal all der Arten, die zur Familie der Hirsche gehören, ist das Geweih – ein knöcherner, verzweigter Auswuchs der Stirnknochen, der in regelmäßigen Abständen abgeworfen wird und wieder neu nachwächst. Die Paläobiologin Nicola Heckeberg konnte nun nachweisen, dass bestimmte miozäne Spezies bereits Geweihe trugen, die sie abwerfen konnten. Sie sind daher eindeutig den Hirschen zuzuordnen, folgert die LMU-Wissenschaftlerin. Über ihre Ergebnisse berichtet sie im Fachmagazin Journal of Morphology.

Vor ca. 19 bis 14 Millionen Jahren lebten die ältesten Vorläufer der heutigen Hirsche, bei denen aufgrund anatomischer Merkmale bislang vermutet wurde, dass sie ihre Geweih-ähnlichen Stirnwaffen nicht abwarfen. Durch umfangreiche Vergleiche konnte Heckeberg erstmals Abwurfflächen an Geweihen für einige der ersten Geweihträger nachweisen und so zeigen, dass auch frühzeitliche Hirsche ihre Geweihe turnusmäßig verloren. Damit gehören sie zu den Hirschen und bilden keine ausgestorbene Schwestergruppe, wie bisher von einigen Wissenschaftlern angenommen wurde.

„Heutzutage wird die Stammesgeschichte der Arten oft mithilfe von molekularen Uhren bestimmt, die auf Erbgutvergleichen basieren“, sagt Heckeberg. Als Eichpunkte können dafür aber nur Fossilien verwendet werden, die eindeutig einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden können. Deshalb ist die sichere Eingruppierung fossiler Spezies, wie sie Nicola Heckeberg gelungen ist, wichtig, um die Evolution der Hirsche zurückverfolgen zu können.
Journal of Morphology 2016