Ludwig-Maximilians-Universität München
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Tagung am CAS

Auf der Flucht

München, 06.12.2016

Wie greifen Künstlerinnen und Künstler die Routen der Migration auf? Auf der Tagung „Passagen des Exils“ am Center for Advanced Studies wird die künstlerische Auseinandersetzung mit den „Passagen“ der Flucht beleuchtet.

Fotografie: Gertrud Hindemith, Paul Hindemith bei der Abreise von Istanbul, Schiffsfahrt durch den Kanal von Korinth, 22. Mai 1936. Mit freundlicher Genehmigung der Fondation Hindemith, Blonay (CH).

„In einem schweren Sturm am 1. November 1988 sinkt ein Boot mit 23 marokkanischen Einwanderern bei Tarifa. Am Strand Los Lances werden zehn Ertrunkene angespült. Vier Menschen überleben, neun bleiben verschwunden“, schreibt Eva Leitolf auf die Rückseite einer Postkarte. Die Vorderseite zeigt einen scheinbar unberührten Strandabschnitt. In ihrer Serie „Postcards from Europe“ dokumentiert die Fotografin tragische Schicksale von Menschen auf der Flucht, ohne diese selbst abzubilden. „Leitolf fotografiert unschuldige Landschaften, an denen sich Grauenhaftes abgespielt hat“, sagt Burcu Dogramaci, Professorin für Kunstgeschichte an der LMU. Erst durch die Informationen auf der Postkarte wird der Strandabschnitt zu einem „politisch kontaminierten Ort.“

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts „Repräsentation und Präsentation“ am Center for Advanced Studies der LMU widmet sich Burcu Dogramaci den Passagen der Migration. „Die Routen sind in der Beschäftigung mit Migration und Exil oft eine Leerstelle. Gerade in der klassischen Exilforschung geht es stark darum, warum Menschen gehen mussten und was nach ihrer Ankunft im Zielland passiert ist. All das, was dazwischen war, die Schiffspassage zum Beispiel, bleibt sehr unklar.“

Zusammen mit Elizabeth Otto, Professorin an der University of Buffalo, organisiert sie am 9. und 10. Dezember die Tagung „Passagen des Exils" am Center for Advanced Studies der LMU. Thema sind künstlerische, filmische und literarische Verarbeitungen von Flucht. Das Programm umfasst sowohl das Exil während der NS-Zeit als auch Flucht im Zeichen des Kalten Krieges und die aktuellen oft tragisch verlaufenden Fluchtbewegungen über das Mittelmeer.

Am 10. Dezember findet im Rahmen der Tagung die Vorführung des Films „Fuocoammare“ statt. Die Sitzplatzkapazitäten sind begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich an info@cas.lmu.de

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