Ludwig-Maximilians-Universität München
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Public Health

Eine starke Stimme für die Gesundheit

München, 28.07.2015

Von Übergewicht bis zur Impfpolitik: Münchner und Bremer Wissenschaftler gründen mit weiteren Partnern einen Satelliten des Forschungsnetzwerks Cochrane zu Fragen der öffentlichen Gesundheit.

Eine Frage an die Gesundheitsforschung: Brauchen wir gegen bestimmte Krankheiten eine Impfpflicht? (Foto: Klaus Rose / dpa)

Wie soll die Gesellschaft mit der rasanten Zunahme von Übergewicht in der Bevölkerung umgehen? Brauchen wir für bestimmte Krankheiten eine Impfpflicht? Welche Regelungen macht die Belastung unserer Atemluft mit Feinstaub notwendig? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, braucht es gezielte Forschung auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit (Public Health) sowie einen transparenten Umgang mit den daraus entstehenden wissenschaftlichen Ergebnissen und Aussagen.

Wissenschaftler der LMU, der Universität Bremen und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS haben sich mit Cochrane Österreich, Cochrane Schweiz und Forschern der Universität Zürich zusammengetan und einen europäischen Satelliten im Forschungsnetzwerk Cochrane gegründet. Ziel der neuen Kooperation ist es, die Forschung zu Themen der öffentlichen Gesundheit voranzutreiben und die Ergebnisse an die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger zu vermitteln. So wollen sie wichtigen gesellschaftlichen Gesundheitsanliegen „eine starke, faktenbezogene Stimme“ geben. Unterstützt wird die Initiative von Cochrane Deutschland.

Der europäische Satellit ist ein Ableger von „Cochrane Public Health“, einer der insgesamt über 50 themenbezogenen Arbeitsgruppen des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane. Das zentrale Ziel dieses Netzwerks ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem zu verbessern. Dieses Ziel erreicht es vor allem, indem es systematische Übersichtsarbeiten erstellt, aktualisiert und verbreitet.

Laienverständliche Zusammenfassungen

„Public-Health-Ansätze sind oft hochkomplex – so kommen zum Beispiel technische, regulatorische und informierende Maßnahmen gemeinsam zum Einsatz und müssen jeweils den lokalen Gegebenheiten angepasst werden“, erklärt PD Dr. Eva Rehfuess, Wissenschaftlerin am Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE) der LMU. „Um die Wirksamkeit dieser Maßnahmen korrekt bestimmen zu können, brauchen wir ein innovatives Methodenpaket. Hieran arbeiten wir gemeinsam, insbesondere bei der Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten und der Beurteilung der so zusammengeführten Evidenz.“

Ein erstes gemeinsames Projekt ist die Internetseite „Cochrane Kompakt“. Laienverständliche Zusammenfassungen wichtiger systematischer Übersichtsarbeiten werden ins Deutsche übersetzt und online für alle Interessierten zur Verfügung gestellt. So sollen vor allem auch Patienten und ihre Angehörigen unabhängige und objektive Informationen zu Wirksamkeit oder aber auch einem möglichem Schaden von gesundheitsbezogenen Maßnahmen erhalten.

„Politik und Praxis im Gesundheitswesen sind auf relevante, verständliche und zeitnahe Informationen angewiesen“, sagt Professor Manfred Wildner, Leiter des Landesinstituts Gesundheit und Inhaber der Brückenprofessur für Public Health Policy and Administration am IBE, zur Bedeutung von Cochrane Public Health Europe: „Nur so können Entscheidungsträger ihrer Verantwortung für eine bestmögliche vorausschauende politische Gestaltung und praktische Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Dienst am Menschen gerecht werden.“