Ludwig-Maximilians-Universität München
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Chengjiang

Blick ins Innerste von Fossilien

München, 18.08.2015

LMU-Forscher haben einen Gliederfüßer aus der Fossillagerstätte Chengjiang in China mithilfe der Mikrotomographie identifiziert.

Die Abbildung links zeigt das Fossil , wie es unter einem Lichtmikroskop dargestellt wird. Rechts die mikrotomographische Aufnahme.

Moderne Bildgebende Verfahren ermöglichen es, Fossilien schonend zu untersuchen. Nun haben Forscher um Dr. Yu Liu vom Department Biologie II der LMU eine fossile Steinplatte aus der Lagerstätte Chengjiang mithilfe der Mikrotomographie untersucht. So lassen sich auch Strukturen innerhalb des Gesteins dreidimensional darstellen. Über ihre Ergebnisse berichten sie aktuell im Fachmagazin Scientific Reports.

Die Fossilfundstätte Chengjang in China zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie ist 520 Millionen Jahre alt. Ihre Gesteine sind die ältesten Dokumente der sogenannten kambrischen Explosion, während der die Zahl der Tierarten auf der Welt sprunghaft anstieg. Vor allem die Weichteile von Tieren sind in den Sedimenten sehr gut erhalten. Tiere, deren Skelette mineralisiert wurden, befinden sich teilweise einige Millimeter tiefer in den Gesteinsplatten. Um diese verborgenen Strukturen untersuchen zu können, müssten sie daher aus dem Gestein herausgelöst werden. „Da die Funde dadurch zerstört werden, müssen sich Forscher bei den Fossilien aus Chengjiang bislang vor allem auf oberflächliche Analysen mithilfe von Mikroskopen beschränken“, erklärt Yu Liu.

Der LMU-Biologe liefert nun die erste mikrotomographische Studie eines dreidimensional versteinerten Fossils aus Chengjiang. Obwohl die Mikrotomographie in der Paläontologie bereits häufig genutzt wird, wurde sie bei den Fossilien in Chengjiang bislang noch nicht breit eingesetzt. Yu Liu ist es mithilfe der Mikrotomographie gelungen, die Strukturen des Fossils, die in der untersuchten Steinplatte verborgen sind, sichtbar zu machen – die Voraussetzung, um das Fossil als Gliederfüßer Xandarella spectaculum zu identifizieren – eine seltene Art, die den ausgestorbenen Trilobiten ähnelt, und nur in Chengjiang lebte. Die dreidimensionale Darstellung zeigt entscheidende Details des Fossils, die ansonsten verborgen geblieben wären. „Die Mikrotomographie ist ein wichtiges Verfahren, um dreidimensionale Versteinerungen aus Chengjiang zu erforschen“, betont Yu Liu angesichts seiner Ergebnisse.
(Scientific Reports 2015)