Ludwig-Maximilians-Universität München
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Buchveröffentlichung

Inklusion hörgeschädigter Kinder

München, 14.07.2015

Worauf es beim gemeinsamen Unterrichten hörender und hörgeschädigter Kinder ankommt: LMU-Hörgeschädigtenpädagoginnen haben ihre Forschungsergebnisse für Lehrkräfte an allgemeinen Schulen zusammengestellt.

Foto: contrastwerkstatt / Fotolia.com

Von 1000 Kindern haben zwei bis drei eine Hörschädigung. Seit Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen angenommen hat, haben Gehörlose und Schwerhörige das Recht, gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern die Schule zu besuchen. Das stellt die Lehrer vor neue Herausforderungen. „An allgemeinen Schulen müssen hörgeschädigte Kinder und Jugendliche unter Bedingungen lernen, die für sie sehr schwierig sein können“, sagt Annette Leonhardt, Inhaberin des Lehrstuhls für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik an der LMU. Dazu gehören etwa große Klassen mit hohem Lärmpegel oder auch Klassenzimmer mit schlechter Akustik. „Dennoch ist keine neue Didaktik nötig, um gehörlose und schwerhörige Kinder zu unterrichten, man muss nur die richtigen Schwerpunkte setzen und entsprechende Maßnahmen kennen und verstärkt anwenden.“

Gemeinsam mit Tilly Truckenbrodt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik, hat Annette Leonhardt nun die Publikation „Schüler mit Hörschädigung im inklusiven Unterricht“ verfasst. In den Praxisleitfaden für Lehrer sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Integration/Inklusion Hörgeschädigter in allgemeinen Einrichtungen“ eingeflossen. “Wir haben die Ergebnisse so aufbereitet, dass sich Lehrkäfte zeitökonomisch und prägnant informieren können. Die Handreichung ist für alle Schulstufen verwendbar“, sagt Leonhardt.

Soziale Einbindung begleiten

Es gibt ganz unterschiedliche Arten der Hörschädigung und damit sind auch ihre Auswirkungen verschieden. Manche Kinder hören „nur“ etwas leiser. Bei den meisten handelt es sich jedoch um ein verzerrtes, stark beeinträchtigtes Hören oder es sind mit Cochlea Implantaten versorgte Kinder. „Für Lehrkräfte ist es wichtig zu wissen, dass sich die Hörschädigung nicht nur auf das Hören und die Aussprache auswirkt, sondern auch Folgen für die Konzentrationsfähigkeit des Kindes und seine Beziehungen zu anderen Schülerinnen und Schülern hat“, sagt Leonhardt.

Schon mit einfachen organisatorischen und didaktischen Maßnahmen können Lehrer hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen die Teilnahme am Unterricht erleichtern – etwa, indem sie ihnen einen Sitzplatz in einer vorderen Reihe geben und kleine Pausen einbauen, damit die Kinder Gelegenheit haben, nachzufragen.

Lehrkräfte an allgemeinen Schulen werden bei der Inklusion hörgeschädigter Kinder und Jugendlicher vom sogenannten „mobilen Dienst“ unterstützt, einer sonderpädagogischen Fachkraft eines Förderzentrums mit Förderschwerpunkt Hören. Die Fachkräfte des mobilen Dienstes achten auch darauf, dass die Mitschülerinnen und -schüler für die besondere Situation der hörgeschädigten Klassenkameraden sensibilisiert sind und sich nicht das Klima in der Klasse verschlechtert. „Die soziale Integration des Schülers ist ein wichtiger Bestandteil von Inklusion“, sagt Leonhardt. „Doch die Hauptleistung für gelingende Kommunikation erbringt der Schüler mit Hörschädigung selbst.“

Publikation:

Tilly Truckenbrodt, Annette Leonhardt: Schüler mit Hörschädigung im inklusiven Unterricht. Ernst Reinhardt Verlag München 2015

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