Ludwig-Maximilians-Universität München
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Neues Forschungsmodell

Tempomachen für die Therapie

München, 29.04.2015

Eine neuartige Form der internationalen Kooperation soll die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Multiplen Sklerose beschleunigen. Mit dabei: LMU-Forscher Martin Kerschensteiner.

Mikroskopische Aufnahme des Myelinverlusts in einer Multiple-Sklerose-Läsion. Die Oligodendrozyten, die Zellen, die das Myelin bilden, sind grün, das Myelin ist magenta und die Zellkörper sind blau dargestellt. Foto: AG Kerschensteiner / LMU

Bis ein neues Medikament auf dem Markt ist, dauert es von ersten Ansätzen in der Grundlagenforschung an gerechnet mitunter Jahrzehnte. Um die Wirkstoffentwicklung beispielhaft zu beschleunigen, arbeiten in den USA bereits seit Jahren Experten für Multiple Sklerose in einem speziellen Verbund besonders eng zusammen. Das sieht unter anderem den Austausch von Forschungsergebnissen vor, bevor diese in Fachjournalen veröffentlicht sind – ein für die Wissenschaft nicht eben üblicher Prozess. Initiator des internationalen Projektes ist die private US-amerikanische Myelin Repair Foundation (MRF). Jetzt soll die neuartige Form der Zusammenarbeit auch in Deutschland Fuß fassen. Die Förderung hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung übernommen. Einer der drei in die Kooperation berufenen deutschen Wissenschaftler ist LMU-Forscher Martin Kerschensteiner.

Kerschensteiner, Direktor am Institut für Klinische Neuroimmunologie der LMU, untersucht in seiner Forschung vor allem die Frage, wie es bei der Multiplen Sklerose zur Schädigung des Nervengewebes kommt, und hat hierzu einen Mikroskopieansatz entwickelt, der es erlaubt, die Bewegung und Funktion einzelner Zellen im lebenden Gewebe zu verfolgen. In dem jetzt geförderten Projekt möchte er diese Mikroskopiertechnik nutzen, um zu verstehen, wie in MS-ähnlichen Läsionen die Isolationsschicht der Nervenzellverbindungen, das sogenannte Myelin, geschädigt wird und warum nachfolgende Reparaturprozesse nur eingeschränkt ablaufen können.

Um den langen Weg der Wirkstoffentwicklung abzukürzen, bauen die Wissenschaftler eine Form der Zusammenarbeit auf, die die Grundlagenforschung und ihre Anwendung in der Industrie frühzeitig vernetzen soll. So lässt die MRF erfolgversprechende Ergebnisse in eigenen Labors unter industriellen Bedingungen wiederholen. Das soll Zeit sparen, solche – in der Regel zeitraubenden – Bestätigungen unter höchsten Standards sind die Voraussetzung dafür, dass Wirkstoffkandidaten tatsächlich als aussichtsreich für die weitere Medikamenten-Entwicklung gelten. Sie können so, hoffen die Förderer, schneller in die Phase der klinischen Studien und im positiven Fall damit letztlich schneller zum Patienten gelangen. Für Martin Kerschensteiner ein wertvoller Versuch: „Hier können wir jetzt Erfahrungen sammeln, ob eine solche Form der Kooperation tatsächlich die Translation in die klinische Anwendung beschleunigen und damit als Modell für eine verbesserte Entwicklung von Medikamenten stehen kann.“