Ludwig-Maximilians-Universität München
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Neurodegeneration

Laborversuch: Wirksubstanz lindert Beschwerden

München, 09.10.2015

Die Testsubstanz anle138b verlangsamt den Krankheitsverlauf bei sogenannten Tauopathien, bei der die Tauproteine verändert sind.

Blick ins Gehirn einer Maus: In den magenta leuchtenden Bereichen haben sich Tau-Proteine angesammelt. In einigen Nervenzellen (helle Flecken) ist die Konzentration besonders hoch. Zum Teil sind die Fortsätze (Dendriten) der Nervenzellen zu erkennen. Quelle: DZNE/Jens Wagner

Forscher um Professor Armin Giese vom Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der LMU, des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen und dem Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben gemeinsam einen neuartigen Wirkstoff untersucht, der als Prototyp für die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer und andere Hirnerkrankungen dienen könnte. Die Substanz mit der Bezeichnung „anle138b“ linderte bei Mäusen Krankheitsbeschwerden und verbesserte deren kognitive Leistung. Die Wissenschaftler berichten darüber im Fachjournal Acta Neuropathologica.

„Wir haben festgestellt, dass dieser Wirkstoff das Verklumpen der Tau-Proteine verhindert. Dieses Zusammenkleben ist typisch für Alzheimer und andere Hirnerkrankungen aus der Gruppe der Tauopathien“, erläutert DZNE-Forscher Dr. Martin Fuhrmann. „Die Behandlung mit anle138b bietet eine Möglichkeit, in das Krankheitsgeschehen einzugreifen.“

Effekt auf krankhaft verändertes Protein

Im Normalzustand festigen die Tau-Proteine das Grundgerüst von Nervenzellen des Gehirns. Dieses Skelett verleiht der Zelle mechanische Stabilität und dient zugleich als Verkehrsnetz für Substanzen, die für den Stoffwechsel erforderlich sind. Bei Alzheimer und anderen Tauopathien sind die Tau-Proteine jedoch verändert: Sie lösen sich vom Zellgerüst und legen sich zu Klumpen zusammen. Infolgedessen zerfällt das zelluläre Skelett allmählich und die Versorgung innerhalb der Zelle gerät ins Stocken. Die Hirnzelle verkümmert und kann sogar absterben.

Linderung von Krankheitssymptomen

„Anlass für die Untersuchungen waren unsere vorausgehenden Studien, in denen wir eine hohe Wirksamkeit auf die Bildung krankhafter Eiweißablagerungen zeigen konnten“, so LMU-Professor Armin Giese. „Diese haben uns vermuten lassen, anle138b könnte die Aggregation von Tau-Proteinen unterbinden.“

Die von den Wissenschaftlern behandelten Mäuse zeigten aufgrund eines Gendefektes diverse Merkmale einer Tauopathie, wie sie auch bei Menschen auftreten. Dazu gehörten neben verklumpenden Tau-Proteinen kognitive Störungen und eine verkürzte Lebensdauer. Wie sich nun zeigte, wirkte die über die Nahrung verabreichte Substanz nicht nur auf molekularer Ebene. Sie beeinflusste auch Krankheitssymptome. „Das Gedächtnis- und Orientierungsvermögen der Mäuse verbesserte sich und es verlängerte sich deren Lebenszeit“, sagt Fuhrmann. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass die therapierten Mäuse im Vergleich zu unbehandelten Tieren weniger Nervenzellschäden aufwiesen.

Krankheitsentwicklung offenbar verlangsamt

„Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen ist Anle138b aufgrund seiner chemischen und metabolischen Eigenschaften oral verfügbar, verbleibt über Stunden im Körper und wirkt gezielt auf das Verklumpen der Proteine“, so Professor Christian Griesinger vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, in dessen Team der Wirkstoff synthetisiert wurde.

„Anle138b kann die Erkrankung im untersuchten Tiermodell zwar nicht aufhalten. Aber er scheint den Krankheitsverlauf zu verlangsamen“, meint DZNE-Wissenschaftler Fuhrmann. „Insofern ist anle138b ein möglicher Ausgangspunkt für die Entwicklung von Medikamenten, die die Aggregation von Tau-Proteinen verhindern.“ Ob daraus ein für den Menschen wirksames Medikament wird, bleibt abzuwarten und wird sicherlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Derzeit wird der Wirkstoff anle138b in einer gemeinsamen Ausgründung der LMU und der Max-Planck-Gesellschaft weiterentwickelt.              (LMU/DZNE)
(Acta Neuropathologica 2015)

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