Ludwig-Maximilians-Universität München
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Tagung zu „Game of Thrones"

Fantasy der Krise

München, 08.10.2015

Bei den Emmy-Awards wurde „Game of Thrones" mit zwölf Preisen ausgezeichnet. Die amerikanische Fantasyserie sowie der Roman-Zyklus „A Song of Ice and Fire", auf dem sie basiert, ist nun Thema einer Tagung des Departments Germanistik der LMU. Ein Interview mit PD Dr. Markus May vom Institut für Deutsche Philologie.

Winter is coming – kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R. R. Martins A Song of Ice and Fire / Game of Thrones, 09. - 11. Oktober, Schloss Blutenburg.

Warum ist Game of Thrones so erfolgreich?
PD Dr. Markus May:
Weil die Fantasy mit Game of Thrones Neuland betritt: Zwar nutzt auch Game of Thrones die klassischen Mittel der Fantasy. Die Serie spielt in einer pseudo-mittelalterlichen Welt mit Drachen und Magie. Wirklich exzeptionell ist jedoch die Gestaltung: Game of Thrones spielt in konsequent ästhetisch durchgestalteten Welten mit Bezügen zu aktuellen Problemen, die in der Serie verhandelt werden. Für mich ist Game of Thrones und die Romanvorlage A Song of Ice and Fire Fantasy der Krise.

Was ist aktuell an Game of Thrones?
Aktuell sind die Frage nach der Legitimation und Begründung von Herrschaft. Zum Beispiel, wenn Daenerys Targaryen die Städte der Sklavenbucht angreift, um letztlich einen Befreiungskampf für westliche Werte zu führen. Hier zeigt sich die Serie ganz modern. Die Parallelen zur aktuellen Politik liegen auf der Hand: Das Engagement der USA und der Alliierten im Nahen und Mittleren Osten. Die fiktionale Welt von Game of Thrones stellt die Charaktere vor die gleichen Probleme, die die Politik in der realen Welt hat. Und das merken auch die Zuschauer.

Warum gibt es nun an der LMU eine Tagung zu Game of Thrones bzw. A Song of Ice and Fire?
Mich hat die Erzählung, die Serie und auch das Computerspiel zu Game of Thrones fasziniert. Auch wenn ich mich mit traditioneller Fantastikforschung beschäftige, fand ich Fantasy als Genre nicht besonders spannend. Game of Thrones ist jedoch die erste Fantasy seit Tolkien, die mich begeistert. Die Komplexität und die Bezugnahmen auf die heutige Welt und Gesellschaft, auf Macht und Psychologie haben mich fasziniert. Zusammen mit einigen fantasyaffinen Studierenden und Doktoranden entstand so die Idee, eine Tagung zu Games of Thrones zu veranstalten. Zudem werde ich im Wintersemester auch ein Hauptseminar zu diesem Thema anbieten.

Wie sind die Studierenden an dem Projekt beteiligt?
Die Studierenden und Doktoranden haben gemeinsam mit mir die Tagung organisiert. Um die immense Themenvielfalt von A Song of Ice and Fire bzw. Game of Thrones zu bewältigen haben wir acht Themenslots entwickelt. Mir war es bei dieser Tagung ein großes Anliegen, den wissenschaftlichen Nachwuchs einzubeziehen. Eine Tagung ist eine gute Gelegenheit, Studenten in die Wissenschaftskommunikation einzubeziehen. Studierende und Doktoranden halten auch Vorträge bei der Tagung – neben bekannten Experten wie Dieter Petzold, der schon zwei Bücher zu Tolkien geschrieben hat, oder Professor Hans Richard Brittnacher von der FU Berlin.

Viele Vorträge beschäftigen sich mit den Charakteren von Game of Thrones. Auch für den Autor George Martin sind die Figuren für den Erfolg des Buchs und der Serie verantwortlich. Stimmt das?
Ja, auf jeden Fall: Geschichte wird bei A Song of Ice and Fire verhandelt – und zwar mit Blick auf die verschiedenen Handlungsmotivationen der Figuren und ihre Psychologie, die sich im Lauf der Handlung verändert. George Martin erreicht damit vor allem eines: Die Handlung von A Song of Ice and Fire und Game of Thrones sind bei weitem nicht so vorhersehbar wie bei anderen Fantasy-Reihen. Bei Tolkiens Herr der Ringe ist der Weg dagegen schon vorgezeichnet. Es ist von Anfang an klar, dass ein Ring zerstört werden muss und wer gut und wer böse ist. Im Gegensatz zur statischen Psychologie der klassischen Fantasy wird bei Martin eine ganz moderne Psychologie angewendet, und das trifft auch auf die Lesererwartungen zu. Ein gutes Beispiel dafür sind die sogenannten „untimely deaths“: Schon im ersten Band von A Song of Ice and Fire stirbt die Hauptfigur – völlig gegen alle Erwartungen. Martin spielt damit ganz klar mit den Sympathien des Publikums.

Die Tagung Winter is coming – kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R. R. Martins A Song of Ice and Fire / Game of Thrones findet vom 09. - 11. Oktober 2015 im Schloss Blutenburg statt.