Ludwig-Maximilians-Universität München
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Vorlesungsreihe

Gesellschaftliche Dynamik von 1914 bis 2014

München, 08.09.2014

Was verbindet die Gesellschaft heute mit derjenigen vor 100 Jahren? Und was trennt uns von der Entwicklung zu Beginn des Ersten Weltkriegs? Diesen Fragen geht eine neue Veranstaltungsreihe nach.

Foto: Butch / Fotolia

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen spielten für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine Rolle? Ist ein erneuter Krieg in Europa wirklich unvorstellbar? In der öffentlichen Vorlesung „Formwandel. Gesellschaftliche Dynamiken 1914 bis 2014“ der LMU geht es um gesellschaftliche Brüche und Kontinuitäten seit dem Ersten Weltkrieg: Jeweils eine Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler aus den Bereichen Soziologe und Geschichte analysieren ab dem 12. September jeden Freitagabend im Rahmen eines sogenannten „Salongesprächs“ gesellschaftliche Entwicklungen und ordnen diese in den historischen Kontext ein. „Viele gesellschaftliche Dynamiken, die 1914 entstanden sind, können wir noch immer beobachten – auch wenn uns heute natürlich viel von der damaligen Gesellschaft trennt“, erklärt Professorin Paula-Irene Villa vom Institut für Soziologie an der LMU, die die Veranstaltungsreihe organisiert.

Ein Aspekt der gesellschaftlichen Entwicklung von 1914, der auch heute noch aktuell ist, ist die Geschwindigkeit. Bereits damals sprach man von einem „nervösen Zeitalter“: Züge und Autos brachen Geschwindigkeitsrekorde, technische Entwicklungen revolutionierten die Arbeitswelt. Erstmals gaben geregelte Arbeitszeiten einen bestimmten Tagesablauf vor. Eine Entschleunigung des Alltags hielten daher schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs viele für notwendig – wenn sich auch die Relationen geändert haben: 1914 hielt man bereits eine Geschwindigkeit von rund 80 km/h für gesundheitsschädlich.

Das Leben in der Stadt wurde für einen wachsenden Anteil der Bevölkerung zum Alltag. Viele Landbewohner ließen die enge Gemeinschaft in kleinen Dörfern hinter sich. In der Anonymität der Großstadt waren sie nicht mehr der Kontrolle und Beobachtung ihrer Nachbarn ausgesetzt. Diese neue Freiheit bezahlten sie jedoch mit dem Verlust der dörflichen Gemeinschaft, in der sie unmittelbar an politischen Entscheidungen beteiligt waren. Als Ausgleich suchten sich die Städter einen neuen Raum für politische Betätigung: Die Stadt als öffentlicher Raum entstand – und mit ihm die Frage „Wem gehört eigentlich die Stadt?“.

1914 markiert aber auch den Zeitpunkt, an dem sich immer mehr Menschen mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzten. „Es ist kein Zufall, dass sich das Fach Soziologie in dieser Zeit an den Universitäten in Deutschland etabliert“, sagt Villa. „Zum ersten Mal fragten sich 1914 viele: In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich? Und in welcher wollen wir gerne leben?“

Die Salongespräche der Veranstaltungsreihe „Formwandel. Gesellschaftliche Dynamiken 1914 bis 2014“ finden ab dem 12. September jeden Freitagabend ab 19 Uhr im Münchner Kompetenzzentrum Ethik (Raum 210), Hauptgebäude der LMU statt. Der Eintritt ist frei.