Ludwig-Maximilians-Universität München
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Emmy-Noether-Gruppe

Wie Hühner Krankheiten abwehren

München, 23.12.2014

Eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Tierärztlichen Fakultät der LMU erforscht die Mechanismen der Immunabwehr beim Huhn.

Foto: jurra8 - Fotolia.com

Das Immunsystem des Huhns steht im Zentrum einer neuen Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der LMU. Unter der Leitung von Dr. Benjamin Schusser wird die an der Tierärztlichen Fakultät angesiedelte Gruppe „Genetisch modifizierte Hühner: Neue Modelle zur Untersuchung der Lymphozytenentwicklung und -funktion“ die Entwicklung wichtiger Zellen der Immunabwehr im Detail untersuchen. Die Gruppe wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert.

Hühnerprodukte machen weltweit ein Drittel der Proteinversorgung aus, gleichzeitig kann Geflügel Krankheiten wie Salmonellose oder Vogelgrippe auf den Menschen übertragen. Deshalb sind bessere Impfstoffe und ein besserer Schutz vor Krankheitserregern sehr wünschenswert – auch um den Antibiotikaverbrauch in den Geflügelbeständen zu senken. Forschung zur Immunantwort beim Huhn ist daher auch für Menschen von großer Bedeutung. Einen entscheidenden Durchbruch für diese Forschung erzielte Schusser, als es ihm während eines Forschungsaufenthaltes in Kalifornien gemeinsam mit einem Forscherteam der University of Davis und der Firma Crystal Bioscience gelang, erstmals eine Technologie zu entwickeln, mit der einzelne Gene bei einem Vogel gezielt ausgeschaltet werden können.

„So konnten wir einen Modellorganismus erzeugen, in dem ein für die Entwicklung der sogenannten B-Lymphozyten essentielles Gen ausgeschaltet ist. Damit stellt das Modell eine einmalige Grundlage für die Erforschung dieser wichtigen Zellen des Immunsystems dar“, sagt Schusser. Die erlernte Immunantwort mithilfe von B-Lymphozyten spielt bei der Infektionsabwehr eine zentrale Rolle: B-Zellen produzieren Antikörper, also Eiweiße, die an Krankheitserreger binden und diese unschädlich machen. B-Zellen wurden ursprünglich sogar im Huhn entdeckt und nach der sogenannten Bursa fabricii benannt, einem Organ, das nur Vögel besitzen.

Im Gegensatz zum Menschen, bei dem B-Zellen im Knochenmark reifen, findet die Entwicklung der B-Zellen des Huhnes in der Bursa Fabricii statt. Bis heute ist aber unklar, wie die B-Zellentwicklung reguliert wird. Diese Frage will Schusser mit seinem Team nun beantworten. Ein zweites Ziel der Wissenschaftler ist die Entwicklung weiterer Modelle zur Erforschung des Immunsystems. Insbesondere wollen die Wissenschaftler untersuchen, welche Rolle sogenannte gamma/delta T-Zellen für die Immunabwehr spielen. Mit der neuen Knock-out-Technologie für Vogelgene ist die Tierärztliche Fakultät das einzige Zentrum weltweit, an dem diese Technologie sowohl für Schwein und Rind als auch für das Huhn – also für die bedeutendsten landwirtschaftlichen Nutztiere - etabliert ist. göd