Ludwig-Maximilians-Universität München
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Legasthenie

Die Gewinner-Methoden

München, 27.02.2014

Was hilft bei Legasthenie, was nicht? Eine Metaanalyse von LMU-Wissenschaftlern gibt erstmals einen Überblick über die Erfolgsaussichten gängiger Therapien.

Foto: fiedels / fotolia.com
Foto: fiedels / fotolia.com

Eine Metaanalyse gibt erstmals einen Überblick, welche Therapien gegen Legasthenie helfen und welche Methoden nachweislich nichts bringen. Eine Forschergruppe um Professor Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München hat alle verfügbaren Studien ausgewertet, welche die Wirksamkeit mittels eines randomisiert-kontrollierten Studiendesigns untersucht haben. Über ihr Ergebnis berichten sie aktuell in der Fachzeitschrift PLoS One.

Legasthenie ist eine der häufigsten Lernstörungen, an der nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene leiden. Oft wird die Legasthenie erst spät erkannt. „Bis zu 40 Prozent der Kinder mit einer Legasthenie haben psychische Probleme, oft als Folgen der Diskriminierung“, sagt Gerd Schulte-Körne. Die Kinder würden mit Aussagen konfrontiert wie beispielsweise „Du bist zu faul!“ oder „Du musst dich halt mehr anstrengen!“. Zudem seien die Kinder und ihre Familien meist auf sich allein gestellt, da sich niemand für die außerschulische Förderung zuständig fühlt.

Viele populäre Methoden unwirksam

„Eine frühe Förderung und Therapie, die die individuellen Voraussetzungen eines Kindes berücksichtigt, ist daher dringend notwendig“, sagt Schulte-Körne. Bei einer ausgeprägten Legasthenie reiche die schulische Förderung nicht aus. „Diese findet in den Schulen aufgrund fehlender Ressourcen und mangelnder Ausbildung der Lehrkräfte nur unzureichend statt.“

Es gibt mehr als 20 verschiedene methodische Ansätze, Kinder mit einer Legasthenie zu fördern. „Doch nur sehr wenige Methoden helfen den Kindern“, sagt Katharina Galuschka, die die Metaanalyse durchgeführt hat. „Vor allem sehr basale Prozesse der Laut-Buchstaben-Zuordnung müssen systematisch geübt werden.“ Zudem ergab ihre Untersuchung, dass eine längere Förderung wirksamer ist als eine Kurzzeitintervention. Viele populäre Methoden, die an der Veränderung der Augenbewegungen und Verbesserung des Hörens ansetzen, sind nicht wirksam. Eine Behandlung mit leistungssteigernden Medikamenten oder die Nutzung farbiger Brillengläser (Irlen-Linsen) konnten die Leseleistungen ebenfalls nicht steigern.

„Diese erste publizierte Metaanalyse ihrer Art ist die Grundlage für dringend notwendige Behandlungs- und Förderempfehlungen“, sagt Gerd Schulte-Körne. In Deutschland wird in Kürze eine medizinische Leitlinie zu Legasthenie erscheinen, die von seiner Forschungsgruppe koordiniert wird.
(PLoS One, 26. Februar 2014)                   nh

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