Ludwig-Maximilians-Universität München
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DFG-Forschergruppe

Vom besseren Leben in der Stadt

München, 17.12.2014

Eine neue DFG-Forschergruppe an der LMU untersucht ethische Konflikte um die moderne Lebensführung in Städten.

Foto: air / fotolia.com

An der LMU startet eine neue DFG-Forschergruppe zum Thema „Urbane Ethiken. Konflikte um gute städtische Lebensführung im 20 und 21. Jahrhundert.“ Die Forscher untersuchen Themen wie Nachhaltigkeit und bezahlbarer Wohnraum unter dem Blickwinkel ethischer Diskurse und Aushandlungsprozesse. „Es gab schon immer bestimmte Problemlagen in Städten, die aber zu anderen Zeiten anders debattiert wurden. Zum Beispiel wurde bezahlbarer Wohnraum bislang eher unter einem politisch-ökonomischen Blickwinkel betrachtet. Heute überwiegt die ethische Perspektive“, beschreibt Johannes Moser, Inhaber des Lehrstuhls für Volkskunde/Europäische Ethnologie an der LMU und Sprecher der Forschergruppe, den Ansatz des Projekts.

Im Rahmen des Projekts untersuchen die Wissenschaftler unter anderem am Beispiel Münchens, wie sich Protestbewegungen gegen hohe Mieten, den Abriss von Häusern und Luxussanierungen bilden. „Uns interessiert, welche Wege die Bürger gehen, um ihren Protest zu artikulieren“, sagt Moser und verweist auf die kreativen Aktionen der Initiative Goldgrund, deren Mitglieder etwa als Gorillas verkleidet eine Wohnung in einem Haus sanierten, das abgerissen werden sollte.

Im Rahmen von thematisch fokussierten Fallstudien in mehreren Städten weltweit untersuchen die Forscher, welche Vorstellungen von einem guten Leben in der Stadt die Bürger bewegen. Dabei seien Stadtbewohner zunehmend ethischen Appellen ausgesetzt, etwa der Forderung, sich ökologisch nachhaltig zu verhalten. So wollen die Ethnologen in einer Fallstudie in der Stadt Auckland die Vorstellungen von Sauberkeit und Verschmutzung untersuchen und die Bemühungen, auf das Verhalten der Bewohner durch Regulierungen und Partizipationsverfahren einzuwirken.

„Auf dem Weg zur Slow City?“ ist die Fallstudie in Tokio betitelt. Zusammen mit dem Lehrstuhl für Japanologie untersuchen die Forscher Initiativen zur Entschleunigung des Lebens in der japanischen Hauptstadt. Weitere Fallstudien in Bukarest, Istanbul und Moskau betrachten Leitbilder um Urbanität, die Ethik von Stadtumbau und Denkmalschutz sowie Protestkultur im Kontext eines autoritären Regimes.

An der interdisziplinären Forschergruppe arbeiten in den kommenden drei Jahren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fächer Ethnologie, Geschichte, Japanologie, Turkologie, Volkskunde/Europäische Ethnologie und Wirtschaftsgeographie der LMU sowie des Lehrstuhls Städtebau und Regionalplanung der TU München zusammen.