Ludwig-Maximilians-Universität München
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Pyrotechnik

Grün ohne Gift

München, 23.07.2014

LMU-Chemiker haben eine neue chemische Formulierung für grüne Flammen gefunden. Sie ist ökologisch unbedenklich und von bislang unerreichter Farbreinheit.

gruen_260_webGrüne Signalfackeln enthalten zwei toxische Stoffe: den grünen Farbgeber Bariumnitrat und Kaliumperchlorat als Oxidationsmittel. Chemikern um Professor Thomas M. Klapötke, Inhaber des Lehrstuhls für Anorganische Chemie und energetische Materialien an der LMU, haben nun erstmals eine ungiftige chemische Alternative gefunden, die sogar eine bislang unerreichte Farbreinheit ermöglicht. Darüber berichten die Wissenschaftler aktuell in der Fachzeitschrift Chemical Communications.

„Bislang ging man davon aus, dass es nicht möglich ist, grüne Farbe ohne die Anwesenheit von metallhaltigen Oxidatoren herzustellen“, sagt Thomas M. Klapötke. Dabei steht Barium im Verdacht, krebserregend zu sein. Auch die verwendeten Chlordonatoren sind hochgiftig. Um eine mögliche gesundheitliche Belastung beim Tragen von grünen Signalfackeln zu vermeiden, wird daher schon lange nach Alternativen gesucht. Vor drei Jahren haben US-Wissenschaftler eine Formulierung mit Borcabid und Kaliumnitrat vorgeschlagen. „Diese Mischungen hatten aber eine relativ niedrige Farbreinheit, so dass das Grün ausgewaschen wirkte“, sagt Klapötke.

Zusammen mit Dr. Jesse Sabatini von der US-Army (ARDEC) haben die LMU-Chemiker nun eine neue ungiftige chemische Formulierung für grüne Flammen gefunden. Basis ist Borcabid als Farbgeber und TNEB (Trinitroethylborat) als Oxidator, das an der LMU vor einigen Jahren entwickelt wurde. Die so erzeugten grünen Flammen weisen eine Farbreinheit von 85 Prozent auf. Das ist deutlich mehr als das Grün in bislang erhältlichen Signalfackeln, das bei 65 Prozent liegt. „Das ist das grünste Grün, das je auf pyrotechnischer Basis produziert wurde“, sagt Magdalena Rusan von der LMU.

„Auch die extrem niedrige Schlag- und Reibeempfindlichkeit machen die neue chemische Formulierung interessant“, sagt Thomas M. Klapötke. In weiteren Versuchen soll nun getestet wird, wie empfindlich die neue Mischung auf Feuchtigkeit reagiert.
(Chemical Communications (accepted 05 Jul 2014, first published online 07 Jul 2014))         nh