Ludwig-Maximilians-Universität München
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Nachwuchsförderung

Die Bausteine des Lebens designen

München, 13.11.2014

Zukunftsfeld Synthetische Biologie: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ein neues interdisziplinäres Graduiertenkolleg an der LMU.

Bakterienspore, gespickt mit funktionellen Molekülen. (Abbildung: AG Jung)

Künstliche Erweiterungen des genetischen Codes, modifizierte Bakteriensporen, synthetische Proteine und Schalter – die Lebenswissenschaften haben ein neues Stadium erreicht: Mit den Methoden der Synthetischen Biologie wird es möglich, biologische Komponenten umzubauen oder gar von Grund auf neu zu designen – bis hin zu künstlichen zellähnlichen Systemen. Solche biologischen Bauteile sollen es in Zukunft erlauben, effizienter noch als bislang die Komplexität einzelner Zellen, lebender Organismen oder gar ganzer Ökosysteme zu entschlüsseln. Die Wissenschaft erhofft sich davon ein genaueres Verständnis biologischer Prozesse, nicht zuletzt um neue Ansätze für Medizin und Biotechnologie zu finden.

Jetzt richtet die LMU das Graduiertenkolleg „Synthetische Biologie“ ein, das Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Biologie, Chemie und Physik in dem zukunftsträchtigen Gebiet theoretisch und experimentell schulen soll. Kirsten Jung, Sprecherin des Kollegs und Inhaberin des Lehrstuhls für Mikrobiologie an der LMU, betont den interdisziplinären Zugriff der Synthetischen Biologie. Auch am neuen Kolleg wirken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Molekularbiologie, Mikrobiologie, aus Biochemie und Organischer Chemie sowie Biophysik mit. Beteiligt sind neben Arbeitsgruppen der LMU auch Teams vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried und der Technischen Universität München (TUM).

12 Doktoranden sollen über das neue Graduiertenkolleg finanziert werden, 14 weitere und eine Handvoll Postdocs aus anderen Programmen sollen ebenfalls an der neuen Ausbildung partizipieren. Die Forschungsprojekte reichen von der Entwicklung synthetischer Zellen und synthetischer Schalter über synthetische Proteine bis hin zur Etablierung zellfreier synthetisch-biologischer Systeme. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit gut 3,2 Millionen Euro.

Das neue Graduiertenkolleg, so betont Sprecherin Kirsten Jung, ist hervorgegangen aus dem Schwerpunkt „Synthetische Biologie“ am Center for Advanced Studies (CAS) der LMU. Schon dort haben LMU-Forscher seit 2010 zusammen mit den jetzt beteiligten Wissenschaftlern anderer Einrichtungen eine Bestandsaufnahme des Forschungsfeldes gemacht und eine Forschungsprogrammatik entwickelt.

Am 14. November veranstaltet der CAS-Schwerpunkt einen international besetzten Workshop, in dem es um Anwendungen der Synthetischen Biologie für die Medizin geht. Vorgestellt und diskutiert werden beispielsweise künstliche genetische Systeme und DNA-ähnliche Polymere für den Einsatz in Nanotechnologie, Materialforschung oder der Humanmedizin sowie neuartige Ansätze für HIV-Impfstoffe und Mittel gegen Malaria.