Ludwig-Maximilians-Universität München
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Crowdinvesting

Ungewisse Rendite, hohes Risiko

München, 25.06.2014

Bei der Schwarmfinanzierung investieren Privatanleger in Start-ups. Das kann riskanter sein als vermutet. Ein LMU-Symposium klärt aktuelle Fragen der neuen Finanzierungsform und mögliche rechtliche Regelungen.

Foto: Miriam Dörr / Fotolia.com

Mehr als 24 Millionen Euro haben Start-ups bislang von deutschen Kleinanlegern eingesammelt. Der Kontakt zwischen den Unternehmen und den Privatanlegern kommt über Crowdinvesting-Portale im Internet zustande. Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit führenden Märkte für diese neue Anlageform entwickelt. Doch die Anlage könnte risikoreicher sein, als die meisten Investoren glauben.

Am 4. Juli 2014 veranstaltet der Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht der LMU eine wissenschaftliche Tagung zu aktuellen Fragen des Crowdinvesting mit einem anschließenden öffentlichen Symposium.

„Crowdinvesting bietet Chancen, ist aber auch sehr risikoreich. Man muss gute Kenntnisse von den Emittenten haben, um damit Geld zu verdienen“, sagt der LMU-Volkswirt Dr. Lars Hornuf, der das Symposium zusammen mit Lehrstuhlinhaber Professor Lars Klöhn initiiert hat. Denn viele Start-ups überleben die ersten Jahre nicht. Das investierte Geld ist dann meist verloren.

Anlage mit ungewissem Ausgang

Doch selbst wenn sich die junge Firma auf dem Markt durchsetzt, sei es nicht garantiert, dass man mit einer guten Rendite rechnen kann, so Hornuf. Denn die wenigsten Start-ups erwirtschaften in den ersten Jahren derart hohe Gewinne, dass sich die Anlage auszahlt. „Privatanleger sollten gut selektieren, die Businesspläne kritisch ansehen und diversifizieren“, sagt Hornuf. Nach drei bis fünf Jahren laufen die ersten Verträge zwischen Anleger und Start-up aus. „Dann wird sich spätestens zeigen, wie viele der neuen Firmen Liquiditätsprobleme haben und ob sie ihre Inverstoren auszahlen können“, sagt Hornuf. Bislang sind sieben der via Crowd finanzierten deutschen Unternehmensgründungen Pleite gegangen.

Auch von den Crowdinvesting-Portalen, die die Verträge zwischen Kleinanlegern und Start-Ups vermitteln sind die ersten bereits wieder vom Markt verschwunden. Von 19 aktiven Portalen in Deutschland sind 13 übriggeblieben. Die Gestaltung der Verträge ist von Portal zu Portal unterschiedlich. „Die geringe Standardisierung ist beispielhaft für die Intransparenz auf dem Markt für Crowdinvesting“, sagt Klöhn. „Bislang ist diese Form der Finanzierung in Deutschland nicht spezifisch geregelt. Den Rechtsrahmen bilden vor allem das allgemeine Bank-, Kapitalmarkt und Gewerberecht“.

Am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht startet nun ein neues DFG-Projekt zum Crowdinvesting. Klöhn und Hornuf werden untersuchen, ob und, wenn ja, wie Crowdinvesting reguliert werden sollte. Auch ob die vermeintliche „Weisheit der Vielen“, wie sie bei der Schwarmfinanzierung unterstellt wird, zu richtigen Anlageentscheidungen führt, ist Thema des Projekts. Bislang werden am Lehrstuhl bereits alle verfügbaren Daten in der LMU-Forschungsdatenbank „Crowdinvesting“ gesammelt.

Chancen und Risiken diskutieren

Das Symposium des Lehrstuhls am 4. Juli bietet Wissenschaftlern und Praktikern eine Plattform, um sich über Chancen und Risiken der Schwarmfinanzierung auszutauschen. Zu den Vorträgen und der Podiumsdiskussion mit Vertretern von Crowdfundingportalen und Investmentfirmen sowie Wirtschaftsrechtlern werden an die 200 Teilnehmer erwartet.

Das Symposium ist öffentlich, eine Anmeldung ist für die Teilnahme erforderlich. Nähere Informationen unter www.crowdinvesting-symposium.de.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen. Um eine Anmeldung wird gebeten.

Ansprechpartner:
Dr. Lars Hornuf
Ludwig-Maximilians-Universität München
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht
Tel.: 089/2180-3010
E-Mail: lars.hornuf@jura.uni-muenchen.de