Ludwig-Maximilians-Universität München
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Georg Heberer-Award 2014

Zwei LMU-Mediziner ausgezeichnet

München, 27.06.2014

Den diesjährigen Georg Heberer Award teilen sich die LMU-Mediziner Maximilian Gassenmeier und Ludwig Weckbach. Ausgezeichnet wurden die Forscher für Arbeiten zu Nierenzelltumoren beziehungsweise zu akuten Entzündungsreaktionen.

Ludwig-Maximilians-Universität MünchenBeim heutigen Stiftungsfest der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wurde der mit 20.000 Euro dotierte Heberer-Award 2014 verliehen. In diesem Jahr teilen sich den Preis zwei Mediziner und Nachwuchswissenschaftler: Maximilian Gassenmeier, Doktorand am Labor für Tumorimmunologie am Klinikum der Universität München, erhielt den Preis für zwei Studien zu Tumorstammzellen beim Nierenzellkarzinom. Ludwig Weckbach, Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik I des Klinikums der Universität München, wurde für seine Forschung zur Rekrutierung von Immunzellen zum Entzündungsort ausgezeichnet. Die Ergebnisse der beiden Forscher könnten Patienten mit schweren Erkrankungen neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Zur Arbeit von Maximilian Gassenmeier

Nierenzellkarzinome machen weltweit etwa drei Prozent aller bösartigen Tumore aus. Bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose finden sich bei 20-30 Prozent aller Patienten Metastasen und weitere 20 Prozent der Patienten werden im Verlauf der Erkrankung Metastasen entwickeln, obwohl die erkrankte Niere entfernt wurde. Für diese Patienten ist die Prognose sehr schlecht und die Therapie von Nierenzellkarzinomen bleibt eine große Herausforderung. Entscheidend beeinflusst werden die Entwicklung des Tumors und die Metastasierung von den Tumorstammzellen. Ihre Unempfindlichkeit gegenüber gängigen Tumormedikamenten ist verantwortlich für die Entstehung von Therapieresistenzen und das Auftreten von Rezidiven. Soll eine langfristige Heilung erzielt werden, müssen die Tumorstammzellen eliminiert werden, wozu ihre Identifizierung und Charakterisierung notwendig ist. Gassenmeier gelang es, Tumorzellen mithilfe des Chemokinrezeptors CXCR4 zu identifizieren, der in der Oberflächenmembran der Tumorzelle lokalisiert ist. Chemokinrezeptoren sind spezielle Proteine, die an kleine Signalproteine binden und so aktiviert werden. Da Tumorstammzellen ohne CXCR4 nicht lebensfähig sind, könnte in Zukunft die zusätzliche Gabe von CXCR4-Hemmstoffen die Wirksamkeit von Tumortherapien bei Nierenzellkarzinompatienten verbessern. Zudem konnte Gassenmeier in seiner prämierten Arbeit “CXC chemokine receptor 4 is essential for maintenance of renal cell carcinoma-initiating cells and predicts metastasis“ zeigen, dass das Ausmaß der CXCR4-Produktion in Primärtumoren maßgeblich für die Prognose ist, was eine Einschätzung des Risikopotenzials für verschiedene Patienten erlaubt. Seine Forschungsergebnisse publizierte Gassenmeier 2013 und 2014 in den Journals „Stem Cells“ und „The Journal of Urology“.

Maximilian Gassenmeier wurde 1988 in Erlangen geboren. Er studierte Medizin an der LMU und begann 2011 im Labor für Tumorimmunologie am LIFE-Zentrum des Klinikums der Universität München seine Promotion zum Thema “Identification and characterization of renal cell carcinoma-initiating cells”. Zurzeit ist er im Rahmen des Praktischen Jahres (PJ) am Departement Innere Medizin des Universitätsspitals Zürich tätig.

Zur Arbeit von Ludwig Weckbach

Unablässig strömen weiße Blutkörperchen (Leukozyten) durch unsere Blutgefäße und suchen den Körper nach Krankheitserregern ab. Die beim Menschen häufigsten weißen Blutkörperchen sind die neutrophilen Granulozyten. Diese spezialisierten Zellen der Immunabwehr wandern etwa bei bakteriellen Infektionen in das entzündete Gewebe ein und töten die Mikroorganismen ab. Weckbach hat im Rahmen seiner prämierten Arbeit „The cytokine midkine supports neutrophil trafficking during acute inflammation by promoting adhesion via beta2 integrins“, die vor kurzem in der medizinischen Fachzeitschrift „Blood“ publiziert wurde, die Mechanismen untersucht, wie neutrophile Granulozyten im Rahmen einer akuten Entzündungsreaktion aus dem Blutstrom ins Gewebe übertreten. Insbesondere konnte Weckbach entschlüsseln, welche Rolle ein bestimmtes Signalprotein – das Zytokin „Midkine“ – dabei spielt und den Mechanismus auf molekularer Ebene charakterisieren. Diese neuen Erkenntnisse könnten neue Konzepte bei der Therapie entzündlicher Erkrankungen eröffnen. Entstanden ist die prämierte Forschungsarbeit im Rahmen von Weckbachs Promotion am Walter-Brendel-Zentrum für Experimentelle Medizin. Wesentlich unterstützt wurde Weckbach bei der Durchführung seiner Arbeit durch den Sonderforschungsbereich (SFB) 914 “Trafficking of Immune Cells in Inflammation, Development and Disease” sowie durch die „Integrated Research Training Group“ des SFB.

Ludwig Weckbach wurde 1986 in Augsburg geboren. Er studierte Medizin an der LMU und arbeitet seit 2013 als Assistenzarzt in der Medizinischen Klinik I des Klinikums der LMU. Neben seiner klinischen Tätigkeit widmet sich Weckbach intensiv der Fortführung seiner wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Leukozytenwanderung im Rahmen entzündlicher Prozesse.

Über den Heberer Award

Im Jahr 2000 wurde erstmals an der LMU der nach dem Chirurgen Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Heberer (1920-1999) benannte Georg Heberer Award der US-amerikanischen Chiles Foundation verliehen. Heberer war bis 1989 Ordinarius für Chirurgie und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik am Klinikum Großhadern. Er beeindruckte als akademischer Lehrer und Forscher durch sein universelles Wirken und genoss als Chirurg große internationale Anerkennung. Mit der jährlichen Preisverleihung soll die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen auf dem Gebiet der Chirurgie gefördert werden.

Gestiftet wird der Preis von der seit über 50 Jahren bestehenden Chiles Foundation, die die medizinische Forschung vor allem auf dem Gebiet der Krebsforschung unterstützt. Die Stiftung unterhält große Institute an der Boston University und der Stanford University sowie das Krebsforschungszentrum „Earle A. Chiles Research Institute“ an der Oregon University in Portland.

Seit 1986 wird ein intensiver wissenschaftlicher Austausch zwischen der Chirurgischen Klinik des Klinikums der Universität München und der Harvard Medical School sowie der Oregon Health & Science University gepflegt. Begabte deutsche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sollen mit der Verleihung des großzügig dotierten Georg Heberer Awards unterstützt und ermuntert werden, ihre wissenschaftlichen Projekte im Rahmen internationaler Kooperationen an ihren Heimathochschulen weiterzuführen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Rudolf A. Hatz
Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß-, und Thoraxchirurgie
Tel.: 089 / 4400 – 76511 (Sekretariat)
E-Mail: Rudolf.Hatz@med.uni-muenchen.de