Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Neurodegenerative Erkrankungen

Acht Millionen Euro für Wirkstoff-Forschung

München, 25.02.2014

Ein neuer Wirkstoffkandidat gegen Parkinson, entwickelt von Forschern der LMU und des MPI Göttingen, soll nun zur Marktreife entwickelt werden.

anle_web 
Erhielten Parkinson-Mäuse den Wirkstoff Anle138b, bildeten sich deutlich weniger Synuclein-Ablagerungen (braun gefärbt) als bei Placebo-behandelten Kontrolltieren. (Bild: Giese, LMU München)

Neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und Creutzfeldt-Jakob liegen oftmals Proteinablagerungen zu Grunde, die zu einer Schädigung der Nervenzellen führen. Wissenschaftlern der LMU und des Max-Planck-Instituts (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es gelungen, einen Wirkstoffkandidaten zu entwickeln, der die Entstehung dieser Ablagerungen im Mausmodell signifikant reduzieren kann. Der Wirkstoff anle138b soll nun in der gemeinsamen Ausgründung MODAG GmbH zur Marktreife weiterentwickelt werden. Hierzu konnte MODAG unter Beteiligung der Bayerischen Patentallianz GmbH für die beiden Forschungseinrichtungen LMU und Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erfolgreich eine erste Finanzierungsrunde in Höhe von bis zu acht Millionen Euro abschließen.

Bei Parkinson werden unter dem Mikroskop auffallende Ablagerungen verklumpter Synuclein-Proteine im Gehirn sichtbar. Vorstufen dieser Ablagerungen, die Oligomere, wirken stark neurotoxisch. Muskelzittern, Bewegungsstörungen und Muskelstarre beim Menschen sind die Folge. Auch bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit finden sich krankmachende Protein-Ablagerungen, die durch das sogenannte Prion-Protein verursacht werden. Professor Armin Giese, Forschungsgruppenleiter am Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der LMU, und Professor Christian Griesinger, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Leiter der Abteilung NMR-basierte Strukturbiologie, haben gemeinsam mit ihren Mitarbeitern einen Wirkstoffkandidaten entwickelt, der in Tests an Parkinson-Mäusen die Entstehung der toxischen oligomeren Proteinformen verhindern und damit das Fortschreiten der Nervenzellschädigung in bisher nicht erreichtem Ausmaß verzögert und die krankheitsfreie Phase verlängert.

Zwischenzeile: Niedrige Dosis, hoher Wirkspiegel

Neu dabei ist, dass der Wirkstoff mit dem Namen anle138b direkt und spezifisch an oligomeren Proteinformen ansetzt. So verhindert anle138b frühzeitig das Zusammenlagern und die Entstehung neuer oligomerer krankheitsrelevanter Proteinformen. Der synthetisierte Wirkstoff, der den Test-Mäusen mit der Nahrung verabreicht wurde, ist in therapeutischen Dosen sehr gut verträglich und passiert die Blut-Hirn-Schranke sehr effizient. So erreicht er im Gehirn einen hohen Wirkspiegel bei niedriger Dosis. Die mit anle138b behandelten Mäuse erzielten eine signifikant längere Lebenszeit und konnten ihre Bewegungen deutlich besser koordinieren als ihre unbehandelten kranken Artgenossen, wie die bisherigen Ergebnisse beeindruckend zeigen.

Mit anle138b könnten somit in der Zukunft Krankheiten wie Parkinson möglicherweise gebremst oder sogar gestoppt werden, da krankheitsrelevante Prozesse unmittelbar gehemmt werden. Doch nicht nur bei der Parkinson-Krankheit war die neue Substanz wirksam. Positive Forschungsergebnisse der Wissenschaftler zeigen, dass anle138b auch bei Creutzfeldt-Jakob wirkungsvoll das Zusammenlagern krankmachender Protein-Verklumpungen verhindert und behandelte Mäuse deutlich länger überleben. Ebenso sind die Ergebnisse in Mausmodellen für die Alzheimer Erkrankung ermutigend.

„Die MODAG GmbH ist mit ihrem neuen Wirkstoff anle 138b ein Hoffnungsträger für die Entwicklung von Medikamenten gegen bislang schlecht therapierbare Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer“, betont Dr. Andrea Friedrich, Patent- und Lizenzmanagerin in der Kontaktstelle für Forschungs- und Technologietransfer der LMU München. “Wir freuen uns, dass wir von unserer Seite aus das Projekt erfolgreich unterstützen konnten.“ An der LMU wurden die Erfinder und Gründer der MODAG GmbH durch den Spin-off Service und den Arbeitsbereich Patente&Lizenzen in der Kontaktstelle für Forschungs- und Technologietransfer über mehrere Jahre intensiv betreut.

Die zugrunde liegende Basistechnologie wurde als Gemeinschaftserfindung der LMU und des MPI für biophysikalische Chemie schutzrechtlich gesichert und von der MODAG GmbH exklusiv einlizenziert.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse