Ludwig-Maximilians-Universität München
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Vortrag am CAS

Die Bilanz des Bebens

München, 29.10.2014

Toshiro Tanimoto gilt als einer der führenden Seismologen. Am Center for Advanced Studies der LMU berichtet er über das verheerende Beben in Japan von 2011, das er selbst in Tokio erlebte.

Foto: Chuongy / Fotolia.com

Es sind nur ein paar Minuten, in denen die Erde bebt. Doch die Zerstörungskraft ist unermesslich, das Beben erreicht die Stärke 9,0. Die Erdstöße und der Tsunami, die Japan am 11. März 2011 treffen, verwüsten einen ganzen Landstrich. Die Flutwellen, die die Küste überrollen, wirbeln Häuser und Autos wie Spielzeug umher. Mindestens 15.000 Menschen sterben, weit mehr als eine halbe Million wird obdachlos. In den Meilern von Fukushima kommt es zu einer Atomkatastrophe, deren Langzeitfolgen noch heute nicht bewältigt sind.

Selbst 350 Kilometer südlich, im Ballungsraum der Megacity Tokio, sind es quälende Minuten, auch wenn das Beben hier „nur“ einen Wert von 5,5 auf der Richterskala erreicht und verheerende Schäden ausbleiben. Toshiro Tanimoto, Professor für Geowissenschaften an der University of California in Santa Barbara, ist in diesen Monaten auch Professor an der Universität Tokio. Seismologe Tanimoto protokolliert die Nachbeben und das Katastrophenmanagement, beobachtet, wie die Tokioter ihren Alltag trotz Verkehrschaos, Stromausfällen und der Furcht vor nuklearer Verseuchung der Umwelt bewältigen. Für CNN schreibt er vier Tage nach dem Beben einen Kommentar. Er beendet ihn mit dem Satz: „Wettet nicht gegen Japan, vertraut darauf, dass es die Oberhand gewinnt.“

Der japanischen Bevölkerung seien die dramatischen Ereignisse vom März 2011 noch heute äußerst präsent, sagt Tanimoto. Auch Wissenschaftler beschäftigt das Beben weiterhin. Für sie sei vor allem die Stärke der Erdstöße, die Magnitude 9,0, eine Überraschung gewesen. Am CAS zieht Tanimoto an diesem Donnerstagabend Bilanz des Bebens – mit dem Abstand von dreieinhalb Jahren.