Ludwig-Maximilians-Universität München
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Archäologie

Goldmünzen aus dem 6. Jahrhundert entdeckt

München, 09.04.2014

Archäologen machen bei Ausgrabungen in einer Klosteranlage in Ägypten einen überraschenden Fund. Sie entdecken byzantinische Goldmünzen in einem Geheimversteck.

Solidus aus dem Hortfund (Vorderseite) (Foto: DAI)
Solidus aus dem Hortfund (Vorderseite) (Foto: DAI)

Ein Team von Archäologen der LMU, des Deutschen Archäologischen Instituts und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz hat in dem spätantiken Kloster Deir el-Bachît in Ägypten einen Münzhort mit 29 byzantinischen Goldmünzen gefunden.

Die Münzen lagen in einer kleinen Kapelle, die zu den ältesten Gebäuden des Klosters gehört. Sie waren, in ein Tuch eingewickelt, in einer Säule des Altartisches versteckt. Nach einer ersten Sichtung lassen sich die Münzen den Kaisern Valens, Valentinian I., Justin I. und Justinian I. zuordnen. Die jüngste Münze zeigt Kaiser Justinian I., der von 527 bis 565 regierte. „Der Erhaltungszustand ist extrem gut“, sagt Dr. Thomas Beckh vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der LMU, der gerade von Ausgrabungen in Deir el-Bachît zurückgekehrt ist.

Deir el-Bachît ist die bislang größte bekannte spätantik-koptische Klosteranlage in Theben-West aus der Zeit vom fünften bis neunten Jahrhundert nach Christus. Die Klosteranlage erstreckt sich hoch über dem Niltal auf der Hügelkuppe von Dra‘ Abu el Naga in der Nähe der Stadt Luxor. Als Wohnbehausungen nutzten die Mönche alte pharaonische Grabhöhlen. Auch die Kapelle, in der die Goldmünzen gefunden wurden, wurde in ein pharaonisches Grab gebaut.

Von der Einsiedlerzelle zum sakralen Zentrum

„Das Außergewöhnliche an Deir el-Bachît ist, dass wir die Entwicklung des Klosters über Jahrhunderte nachzeichnen können“, sagt Beckh. So wurde das Pharaonengrab, in das die Kapelle gebaut wurde, zuerst von einem Eremiten als Einsiedlerzelle genutzt. Der Goldmünzen-Fund zeigt nun, dass es im sechsten Jahrhundert mit der Kapelle zu einem sakralen Zentrum der Klosteranlage umgewidmet wurde. „Die Münzen wurden wahrscheinlich beim Bau der Kapelle versteckt. Es ist unwahrscheinlich, dass nachträglich der Altar dafür geöffnet wurde“, sagt Beckh. Besucherinschriften im Eingangsbereich des Grabes zeigen, dass dieser Ort bis ins 12. Jahrhundert hinein von Pilgern besucht wurde.

Die Klosteranlage lag am Ende einer alten Karawanenstraße und besaß einen eigenen Zubringer, was darauf schließen lässt, dass der Handel für die Wirtschaft des Klosters wichtig war. „Der Fund gibt Einblick in die ökonomische Situation des Klosters. Die Mönche waren offenbar reich genug, um Goldmünzen zu verstecken. Die jüngeren Münzen weisen wenig Gebrauchsspuren auf, sie waren wahrscheinlich nicht lange in Umlauf“, sagt Beckh.

Seit dem Jahr 2001 untersuchen Archäologen nun bereits die spätantik-frühmittelalterliche Klosteranlage Deir el-Bachît. Die LMU ist an den Ausgrabungen im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Kooperationsprojekts beteiligt zusammen mit dem Deutschen Archäologischen Institut Kairo und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz.