Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Statistik zur Wahl

Mehrheiten für den Bundestag

München, 08.08.2013

Noch ist das Feld unübersichtlich: Welche Mehrheiten sind nach der Bundestagswahl wahrscheinlich? Wie steht es für Schwarz-Gelb, wie für Rot-Grün? Statistiker der LMU berechnen aus den aktuellen Umfragen die Chancen der möglichen Koalitionen.

Mehrheiten für den BundestagDie Bundestagswahl verspricht spannend zu werden in diesem Jahr. Keine sieben Wochen vor dem Termin am 22. September ist es weithin offen, ob es für Schwarz-Gelb am Ende reichen wird. Werden die Liberalen überhaupt wieder in den Bundestag einziehen? Läuft es auf eine Große Koalition hinaus oder auf eine andere Parteienkonstellation?

Helmut Küchenhoff, Statistik-Professor an der LMU, und sein Mitarbeiter Andreas Bender versuchen nun, den nackten Umfrageergebnissen mehr Aussagekraft zu verleihen. Sie haben in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung Die Zeit ein Verfahren entwickelt, das die entscheidende Folgefrage beantworten soll: Welche Koalition hat danach welche Chancen, eine Mehrheit zustande zu bringen? In dem Rechenverfahren bedienen sich die LMU-Wissenschaftler der Bayesianischen Statistik, um diese Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Hierbei wird berücksichtigt, dass eine Stichprobe von 2000 Befragten nur mit einem nicht unerheblichen Unsicherheitsfaktor den Rückschluss auf das gesamte Wahlvolk erlaubt. Es handelt sich dabei um ein Abbild der aktuellen Stimmung und nicht um eine Prognose für die Wahl.

Null Komma null für Rot-Grün
So haben die LMU-Statistiker – neben den Einzelanalysen – die Umfrageergebnisse der vier großen Institute Emnid, Forsa, Infratest und der Forschungsgruppe Wahlen von Anfang August gepoolt. Danach kommt die CDU/CSU auf 40,7, die SPD auf 24,6, die Grünen kommen auf 13,2 Prozent. Die FDP liegt bei 5,0, die Linke bei 7,6 Prozent. Die Chancen für Schwarz-Gelb sehen die Statistiker danach bei 32 Prozent, die für Rot-Grün liegt bei 0,0 Prozent. Bemerkenswert sei, sagt Helmut Küchenhoff, dass gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für ein Patt zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün bei fünf Prozent liegt. „Diese Form der Darstellung“, sagt der LMU-Statistiker, „enthält mehr Information als etwa die knappe Aussage, dass Schwarz-Gelb knapp vorne liegt. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, das unsichere Wissen über die aktuelle Stimmungslage in Wahrscheinlichkeiten auszudrücken.“

Wie man es aber auch dreht und wendet: Die Arithmetik des kommenden Bundestages hängt am Schicksal der Freidemokraten. Doch gerade hier dürften die Umfragen Wochen vor dem Urnengang einigermaßen unzuverlässig sein – und das abhängig davon, wie nah die FDP in ihnen der Fünf-Prozent-Hürde ist. Viele CDU-Anhänger nämlich könnten bei den Liberalen ihr Kreuz machen, damit auch ja der Fortbestand der Koalition gesichert ist. In der Tat ist die Zahl dieser Leihstimmen eine unwägbare Größe.

Leihstimmen – die unwägbare Größe
Die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrheit von Schwarz-Gelb allerdings, das konnten die LMU-Statistiker zeigen, steigt mit den Leihstimmen nur so weit, bis die FDP mit großer Sicherheit im Bundestag vertreten ist. Schließlich ist dann egal, ob die Stimmen an die CDU/CSU oder die FDP gehen. Mit mehr Stimmen für die FDP indes, auch das berechneten die Münchner Statistiker, wächst die Chance auf eine rechnerische Mehrheit der Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen geradezu dramatisch an. Auch solche Effekte dürften interessant sein, denn schließlich erscheint das Feld, was die Koalitionsaussagen angeht, ebenfalls dieser Tage nicht unbedingt übersichtlich.

Weitere Informationen und die jeweils aktuelle Wahrscheinlichkeitstabelle für die Koalitionsmehrheiten unter: www.stablab.stat.uni-muenchen.de/Koalitionen2013

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse