Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Indischer Buddhismus

Ein Schatz aus Birkenrinde

München, 23.01.2013

 

BuddhistischeHandschrift
Foto: Bajaur Collection, Berlin

Indologen der LMU erforschen 2000 Jahre alte Zeugnisse des indischen Buddhismus. Die wertvollen Schriften sorgen in der Fachwelt für Überraschungen.

Die ältesten buddhistischen Handschriften sind lange Rollen aus Birkenrinde, eng in Gandhari beschrieben, einer früheren indischen Regionalsprache, die es längst nicht mehr gibt. Sie stammen aus Gandhara, wie der Nordwesten Pakistans früher hieß.

Für die Buddhismus-Forschung sind die Handschriften eine Sensation. Da ist zum einen das Alter der Dokumente, die bis ins erste Jahrhundert vor Christus datieren. Damit enthalten sie die bei weitem ältesten schriftlichen Überlieferungen des indischen Buddhismus. Auch ihr Inhalt überwältigt die Fachleute. Sie ermöglichen Einblicke in eine Literatur, die bislang als vollständig verloren galt, und sie helfen, entscheidende Entwicklungsschritte des indischen Buddhismus zu rekonstruieren. Zudem bestätigen die Rollen die Bedeutung Gandharas für die Verbreitung des Buddhismus nach Zentralasien und China.

Die Edition der Schriften

An der Ludwig-Maximilians-Universität München beginnt ein Team um den LMU-Indologen Professor Jens-Uwe Hartmann und Professor Harry Falk von der Freien Universität Berlin nun mit der Edition der Handschriften. Der Großteil der Schriften liegt nur in Fragmenten vor, die zunächst richtig zusammengesetzt werden müssen. Welche Herausforderung das ist, zeigt die Laufzeit des Projekts der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Es ist auf 21 Jahre angelegt und hat ein Gesamtvolumen von 8,6 Millionen Euro. Finanziert wird es im Rahmen des Akademienprogramms, das der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Es ist eines der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten mit Scans. Die extrem brüchigen Originale der kostbaren Handschriften sind weltweit über verschiedene Sammlungen verstreut; ein Großteil befindet sich in der British Library in London. Ziel des Projekts ist es, alle Gandhari-Handschriften zu edieren und sie damit für die weitere Forschung verfügbar zu machen. Außerdem sollen ein Wörterbuch und eine Grammatik der Gandhari-Sprache entstehen, und es soll vor allem eine Geschichte der Literatur und des Buddhismus in Gandhara erarbeitet werden. Schon jetzt ist abzusehen, dass die Ergebnisse zu einem neuen Verständnis der Frühphase des indischen Buddhismus führen werden.

Kernstück des Projekts bildet eine Datenbank, in der alle Informationen gesammelt und verknüpft werden. Sie wird die Grundlage für digitale und gedruckte Publikationen bilden und der internationalen Fachwelt den Zugriff auf die laufend erarbeiteten Daten ermöglichen. (nh)

 

 

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse