Ludwig-Maximilians-Universität München
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Klinische Forschung

Studiendesigns erstmals methodisch analysiert

München, 27.03.2013

In der klinischen Forschung muss die Zahl der einbezogenen Patienten aus wissenschaftlichen wie ethischen Gründen sorgfältig geplant werden. Nun war es Wissenschaftlern erstmals möglich, Fallzahlberechnungen anhand von bei Ethikkommissionen eingereichten Originalprotokollen auszuwerten. Die Ergebnisse stellt eine neue Studie vor.

Wenn patientenorientierte klinische Forschung die Grundlage der modernen Gesundheitsversorgung garantieren soll, so muss diese gut geplant, transparent und für die Versorgung relevant sein. Es muss sichergestellt werden, dass die klinischen Studienprojekte eine logische Struktur besitzen und sinnvolle Antworten auf relevante Fragen erlauben. Ohne dies ist klinische Forschung irrelevant oder irreführend.

"Ob die Studie überhaupt ausreichend Information sammeln kann, um die gestellte Forschungsfrage zu beantworten, hängt in erster Linie mit der für die Studie benötigten Zahl von Patienten zusammen", sagt Professor Ulrich Mansmann vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, dessen Team nun gemeinsam mit der Britischen Health Research Authority ein methodisches Review von 446 Forschungsprotokollen zu randomisierten klinischen Studien der Phasen II, III, IV durchführte.

Vertrauliche Protokolle ausgewertet
Zu diesem Zweck erhielten Wissenschaftler erstmals Gelegenheit - unter Beachtung strenger Vertraulichkeitsregeln - Forschungsprotokolle, die im Jahr 2009 bei britischen Ethikkommissionen eingereicht wurden, methodisch kritisch und repräsentativ auszuwerten. Speziell untersuchten Tim Clark und Dr. Ursula Berger aus Mansmanns Gruppe, auf welche Art sich ein Protokoll damit auseinandersetzt, wie viele Probanden in die Studie einbezogen werden müssen.

"Werden zu wenige Patienten eingeschlossen, lässt sich aufgrund ungenügender Information keine Antwort finden, werden zu viele eingeschlossen, so stellt die unnötige Exposition mit einer Therapie deren Risikoprofil noch unklar ist ein ethisches Problem dar", erklärt Mansmann. Beides gilt es aus ethischer und wissenschaftlicher Sicht zu vermeiden.

Statistik bietet mit Fallzahlberechnung ein Instrument, das den Informationsgehalt einer Studie quantifizieren kann und dabei wesentliche Studienaspekte wie Genauigkeit, Effekt, Variabilität in der betrachteten Studienpopulation und logistische Aspekte berücksichtigt. Wie Fallzahlberechnungen in Studien durchgeführt werden, war deshalb die zentrale Frage dieser Untersuchung. Ob und wie die für eine Fallzahl benötigten Annahmen begründet werden, ist ebenfalls ein Indikator für die Qualität der geplanten Studie.

Fallzahlen eher zu hoch
Im Ergebnis enthielten die meisten der 446 Studienprotokolle nur unzureichende Information um eine korrekte Fallzahlberechnung durchzuführen. Dabei berichteten Studien kommerzieller Sponsoren öfter die notwendigen Annahmen zur Fallzahlberechnung als akademische Studien. Dafür lag bei den akademischen Studien für die berichteten Annahmen eher eine Begründung vor als bei kommerziellen Studien. Es konnte ein Trend hin zu größeren Fallzahlen beobachtet werden, als aufgrund der im Protokoll formulierten Annahmen notwendig gewesen wäre.

Der methodische Review der Protokolle ermöglicht die Entwicklung von Instrumenten, mit denen Ethikkommissionen die methodische Sorgfalt bei klinischen Studienprotokollen objektiver prüfen können. "Eine Verbesserung des Begutachtungsprozesses klinischer Studien kann wiederum zu einer Erleichterung und Verbesserung der methodischen Planung bei den Antragstellern führen", schließt Mansmann. (British Medical Journal 1013)

 

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