Ludwig-Maximilians-Universität München
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Schule

Nette Mobber

München, 19.02.2013

Kinder, die andere schikanieren, gelten als unsozial. Um ihre Umgebung zu manipulieren, können sie aber auch sehr freundlich sein, wie eine neue Studie der LMU-Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer zeigt.

Ein freundliches Kind, das andere unterstützt – das passt nicht zum gängigen Bild des aggressiven Mobbers, der Mitschülerinnen und Mitschüler systematisch schikaniert und demütigt. Eine neue Studie aus dem Team von Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer an der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt nun eine neue Seite an Bullies, wie Kinder genannt werden, die mobben.

Für die Studie wurden Daten von 2600 Schülerinnen und Schülern der ersten bis zehnten Klasse erhoben. Ziel der Studie war es, das Verhalten von Bullies in der Grundschule und der weiterführenden Schule zu vergleichen und zu untersuchen, wie ihre Klassenkameraden zu ihnen stehen.

Makel Mobbing
Kinder, die mobben, streben nach Macht in der Klasse. Wie die Studie zeigt, erreichen sie diese auch, aber manchmal auf Kosten von Beliebtheit und Popularität. Bullies sind vor allem in der Grundschule bei ihren Klassenkameradinnen und -kameraden nicht sehr beliebt.

Besser stehen die so genannten Bi-Strategen dar, die sowohl negative als auch positive Verhaltensweisen einsetzen, um ihre Position zu sichern. Sie werden von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern geschätzt und haben dadurch den höchsten sozialen Einfluss in der Klasse. „Mobber erreichen ihre dominante Stellung durch Zwang, aber um sie zu erhalten, müssen sie sich sozial verhalten können“, erläutert Mechthild Schäfer dieses Ergebnis.

Nett sein und anderen zu helfen, kann also eine Strategie sein, um die eigene Popularität zu sichern. Wie die Studie zeigt, nimmt der Einsatz von sozialen Strategien zum Erhalt einer Machtposition bei Bullies mit ihrem Alter zu. Vor allem in weiterführenden Schulen setzen Bullies zunehmend Strategien wie Hilfsbereitschaft ein. „Lehrer müssen wissen, dass auch sozial kompetente Schülerinnen und Schüler anderen das Leben extrem schwer machen können“, sagt Mechthild Schäfer.

Die Studie ist Teil eines umfassenderen Forschungsprogramms zur Bedeutung der Mitschülerinnen und Mitschüler im Mobbingprozess am Department Psychologie der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München. nh

Publikation im Erscheinen:
Gewalt ist keine Lösung, aber eine coole Alternative? Was Täter bei Bullying so erfolgreich macht.
Manuel Stoiber und Mechthild Schäfer
Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2013, Special Issue Peerbeziehungen, 3/2013

Zusätzliche Informationen:

 

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