Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Porträtmedaillen

Große Köpfe in kleinem Format

München, 14.11.2013

Porträtkunst und Selbstinszenierung: Eine Ausstellung zeigt Medaillen der deutschen Renaissance.

muenze_karl_535_web
Die Stadt Nürnberg ließ von Albrecht Dürer und Hans Krafft dem Älteren eine Silbermedaille mit dem Bild von Kaiser Karl V anfertigen anlässlich seines geplanten Besuchs der Stadt im Jahr 1521.

In der Renaissance zeigten Porträtmedaillen die größten Persönlichkeiten der Zeit. „Sie liefern uns ein einzigartiges Who’s who des 16. Jahrhunderts“, sagt Dr. Walter Cupperi vom Institut für Kunstgeschichte der LMU. Doch neben Fürsten und Vertretern aus dem Hochadel bildeten die Medaillen auch oft Kaufleute, Beamte, Humanisten und Künstler sowie deren Familiengehörige ab.

Bedeutende Künstler wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach stehen für die Medaillen, die sich neben Malerei, Skulptur und Druckgraphik zu einer eigenständigen Kunstform entwickelten. „Porträtmedaillen zählen zu den wichtigsten Bildträgern der Renaissance“, sagt Cupperi. Sie spielten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Porträtkunst, die Medaillenform setzte sich auch für Porträts auf Papier, Stein oder Bergkristall durch.

Eine neue Form, sich darzustellen

Porträtmedaillen wurden zu Ehren hochstehender Personen angefertigt. Sie wurden aber auch von den Porträtierten selbst in Auftrag gegeben und verschenkt. Sie waren eine Form, die eigene Identität darzustellen. Die Medaillen waren leicht zu reproduzieren und sie konnten mit Inschriften und Widmungen versehen werden. Sie wurden verschenkt und auch als Schmuck, etwa als Kettenanhänger, oder Ornamente in Umlauf gebracht. „Sie sind Zeugnis der zwischenmenschlichen Beziehungen in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten“, sagt Cupperi.

Das Institut für Kunstgeschichte der LMU (Professor Ulrich Pfisterer, Dr. Walter Cupperi) zeigt nun in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Münzsammlung München (Dr. Martin Hirsch, Dr. Annette Kranz) die Ausstellung „Wettstreit in Erz. Porträtmedaillen der deutschen Renaissance“. Es werden mehr als 200 deutsche Medaillen aus der Renaissance aus einigen der bedeutendsten Sammlungen Europas zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Medaillenherstellung auch aus einem geographischen Blickwinkel. „Erstmals wird umfassend das kulturhistorische Spektrum der im deutschsprachigen Raum entstandenen Medaillen der Renaissance gezeigt. Diese Porträtkunst war sehr stark durch Kulturaustausch, Mobilität der Künstler und manchmal Unbeständigkeit der Produktionszentren geprägt. Lokale Kontinuitäten und nationale Grenzen, wie sie die Rede von ‘deutschen Medaillen‘ suggeriert, waren womöglich weniger grundlegend, als in der Forschung zu diesen tragbaren Porträts üblicherweise angenommen“, sagt Walter Cupperi. Für den italienischen Kunsthistoriker ist die Ausstellung der Abschluss seines vierjährigen LMUexcellent Research Fellowship, mit dem die LMU promovierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fördert.

 

Ausstellung

„Wettstreit in Erz. Porträtmedaillen der deutschen Renaissance“
Staatliche Münzsammlung München
22.11.2013 bis 15.03.2014
Residenz, Eingang Kapellenhof, Residenzstr. 1
Täglich 10 bis 17 Uhr (außer montags)
www.staatliche-muenzsammlung.de

Im Anschluss wird die Ausstellung in den Münzkabinetten des Kunsthistorischen Museums Wien und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gezeigt.

Publikation:

Wettstreit in Erz. Porträtmedaillen der deutschen Renaissance
Kat. Ausst. Staatliche Münzsammlung München
Berlin: Deutscher Kunstverlag 2013
[hg. von Walter Cupperi, Martin Hirsch, Annette Kranz und Ulrich Pfisterer]

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse