Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Unheilbar krank

Tabu Sterbehilfe

München, 14.11.2013

Menschen mit unheilbar lebensverkürzenden Krankheiten verschweigen ihren Ärzten den Wunsch nach Sterbehilfe.

- Foto: Tyler-Olson / Fotolia
- Foto: Tyler-Olson / Fotolia

Menschen mit einer unheilbaren Krankheit haben öfter Gedanken an Suizid und Sterbehilfe, als ihre Ärzte ahnen. „Der Wunsch, vorzeitig aus dem Leben zu scheiden, ist ein großes Tabu in der Beziehung zwischen Arzt und Patient“, sagt Dr. Ralf Jox vom Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der LMU.

In einer Studie mit unheilbar kranken Patienten gaben 42 Prozent der Befragten an, dass sie bereits darüber nachgedacht hätten, sich das Leben zu nehmen. Jeder zweite Befragte kann sich vorstellen, einen Arzt um Hilfe bei der Selbsttötung zu bitten. Doch mit ihren Ärzten hatte keiner von ihnen je darüber gesprochen. Die befragten Patienten hatten ALS, „Amyotrophe Lateralsklerose“, eine neurodegenerative Krankheit, die zu zunehmenden Lähmungen und innerhalb von drei bis fünf Jahren zum Tod führt. „Das Ergebnis könnte bei Patienten mit anderen tödlich verlaufenden Krankheiten ähnlich aussehen, beispielsweise mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung in fortgeschrittenem Stadium oder mit Tumorerkrankungen, für die es keine Therapiemöglichkeiten gibt“, sagt Jox.

Vor allem die Angst, was in der Zukunft auf sie zukommen könnte, Einsamkeit sowie das Gefühl, eine Belastung für die Angehörigen zu sein, lösen Suizidgedanken aus. Angehörigen gegenüber äußern sich Patienten offener darüber, was für diese eine große Herausforderung ist. „Einerseits möchten sie den ihnen nahestehenden Menschen nicht verlieren. Andererseits wollen sie den Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende nicht ignorieren“, sagt Jox.

Wie belastend es ist, wenn ein Familienmitglied unheilbar erkrankt, zeigt die ALS-Studie, bei der auch Angehörige befragt wurden. Ihre Lebensqualität schätzen sie gleich schlecht ein wie der Patient die seine.

„Ein Problem sind die vielen schwierigen Entscheidungen, die im Verlaufe lebensbedrohlicher Krankheiten gefällt werden müssen“, sagt Jox. Dazu gehören zum Beispiel Fragen, wie weit man mit den Therapien gehen, ob man experimentelle Behandlungsmethoden versuchen soll, wer von den Angehörigen als Stellvertreter bevollmächtigt werden soll für den Fall, dass der Patient nicht mehr selbst entscheiden kann, und auch die Frage, ob sie dem Patienten dabei helfen sollen, auf selbstbestimmte Art aus dem Leben zu scheiden. „Patienten mit tödlich verlaufenden Krankheiten und ihre Angehörigen brauchen viel mehr Unterstützung und psychosoziale Beratung“, sagt Jox.
(Amyotr Lat Scleros 2013)        nh

Kontakt:
PD Dr. med. Dr. phil. Ralf Jürgen Jox
Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin
E-Mail: ralf.jox@med.uni-muenchen.de
Mobil: 0163 4201346
Tel: 089/2180-72776; -72777 (Sekretariat)

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse