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Neues Buch

Besseres Miteinander im Klassenzimmer

München, 07.11.2013

Undisziplinierte Kinder, Mobbing, überforderte Lehrer? Die LMU-Psychologin Beate Schuster zeigt Wege zu einem besseren Miteinander im Klassenzimmer auf und verbindet dabei theoretische Grundlagen mit praktischen Tipps.

(Foto: BeTa-Artworks - Fotolia.com)
Foto: BeTa-Artworks - Fotolia.com

Mangelnde Disziplin, unmotivierte Schüler und soziale Ausgrenzung im Klassenzimmer stellen Lehrer wie Schüler vor gravierende Probleme. Seit Jahren wird in der öffentlichen Bildungsdebatte immer wieder betont, wie schwierig der Unterricht an Schulen angesichts dieser Herausforderungen geworden ist. Wie das Lernklima und die Gruppendynamik positiv beeinflusst werden können, beschreibt Professor Beate Schuster vom Department für Psychologie in ihrem Leitfaden „Führung im Klassenzimmer: Disziplinschwierigkeiten und sozialen Störungen vorbeugen und effektiv begegnen – ein Leitfaden für Miteinander im Unterricht“.

Schuster schildert auf der Basis psychologischer Befunde die Mechanismen, die hinter diesen Phänomenen stecken – und sie zieht daraus praktische Konsequenzen für den Schulalltag. Der Band gibt mit vielen konkreten Tipps und Praxisbeispielen Einblick in schwierige schulische Situationen und richtet sich vor allem an Lehrer oder ähnliche Berufsgruppen. Viele Ideen zur Erziehung sind aber auch für Eltern interessant.

„Mir ist es wichtig, sehr anschaulich mit vielen Beispielen zu verdeutlichen, was Lehrer tun können. Dabei liegt der Schwerpunkt auf sofort umsetzbaren Maßnahmen, die sich ohne große Programme verwirklichen lassen – und große Veränderungen bewirken können“, sagt Schuster, die regelmäßig Fortbildungen und Vorträge für Lehrer und Lehramtsstudenten durchführt. Ein zentraler Punkt ist etwa die Sitzordnung: „Nähe schafft Sympathie – deswegen können Lehrer durch Variationen der Sitzordnung dramatisch beeinflussen, wie es einzelnen in der Klasse geht und welches Klima in der ganzen Gruppe herrscht“, so Schuster. Auch für zahlreiche andere Situationen beschreibt die Psychologin Möglichkeiten zur Konfliktlösung und zeigt, wie auf der Basis von Lerntheorien unerwünschtes Verhalten hin zu erwünschtem geändert werden kann. Dabei gilt: Lob ist wichtiger als Strafe. Angemessenes Verhalten zu registrieren und zu verstärken, bringt meist mehr als immer nur zu disziplinieren. Wenn aber bei unangemessenem Verhalten eingegriffen werden muss, sollte nach dem Prinzip der geringsten Intervention vorgegangen werden: „Oft können ganz kleine Maßnahmen Situationen beeinflussen, zum Beispiel indem die Lehrkraft gezielt im Raum umhergeht und ihren Blickkontakt einsetzt“, so Schuster.

Eine effektive Leitung der Klasse ist auch für die Verhinderung von Mobbing hoch relevant, denn Disziplinschwierigkeiten und soziale Ausgrenzung hängen zusammen, wie Schuster zeigt: Fehlverhalten, auf das nicht adäquat reagiert wird, lädt zu weiterer Eskalation ein. „Eine undisziplinierte Klasse lernt: ‚Anything goes‛“, sagt Schuster. Soziale Ausgrenzung ist ein schwerwiegendes Problem: In nahezu jeder Klasse, die Schuster untersuchte, gab es ein bis zwei Opfer. Einigen Methoden, die zur Lösung sozialer Schwierigkeiten oft angewandt werden, wie etwa Klassengesprächen, steht Schuster dabei kritisch gegenüber, weil sie das Opfer unter Umständen zusätzlich bloß stellen: „Man sollte sich immer überlegen, ob man eine Maßnahme auch für sich selbst wollen würde. Mein Buch soll auch ein Gespür dafür wecken, wann man möglicherweise in bester Absicht falsch handelt – und wie es besser gehen könnte“. göd

Publikation:
Beate Schuster
Führung im Klassenzimmer: Disziplinschwierigkeiten und sozialen Störungen vorbeugen und effektiv begegnen – ein Leitfaden für Miteinander im Unterricht
Springer VS, 182 Seiten
ISBN 978-3-642-37673-3

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