Ludwig-Maximilians-Universität München
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Prognoseforschung

Die Frage der besten Wahl

München, 09.09.2013

Wie lassen sich Wahlergebnisse präzise vorhersagen? Gibt es etwas besseres als die übliche Sonntagsfrage? Das diskutieren Experten am Center for Advanced Studies und LMU-Soziologen legen eine neue Prognose zur Bundestagswahl vor.

- Foto: H. J. Paulsen / Fotolia.com
- Foto: H. J. Paulsen / Fotolia.com

Der Countdown für die Bundestagswahl am 22. September ist fast abgelaufen. Und noch immer veröffentlichen die Medien eine Wahlumfrage nach der anderen. Sie basieren dabei in aller Regel auf der klassischen Sonntagsfrage: Wo würden Sie das Kreuz machen, wenn am kommenden Sonntag Wahl wäre? Doch wie genau sind solche Verfahren? Gibt es alternative Methoden, die womöglich verlässlicher das tatsächliche Ergebnis vorhersagen? In der traditionellen Berichterstattung spielen solche Instrumente wie Wahlerwartungsbefragungen, Prognosemärkte, auf denen Teilnehmer auf den Wahlausgang wetten, und statistische Modelle, die beispielsweise Prognosen auf der Basis ökonomischer Modelle liefern, jedenfalls – noch – kaum eine Rolle.

„Orakel oder Debakel?“

Diese Fragen untersuchen LMU-Wissenschaftler im Rahmen des Schwerpunktes „Forecasting Politics“ am Center for Advanced Studies (CAS). Dr. Andreas Graefe, Sprecher des Schwerpunktes und Prognoseforscher vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU, ist beispielsweise mit einem Portal online, das unterschiedlichste Methoden auf einfache Weise zu einer Prognose verbindet (www.pollyvote.de).

Am 16. September – knapp eine Woche vor der Bundestagswahl – diskutieren Experten in einer Abendveranstaltung am CAS über das zu erwartende Wahlergebnis sowie über die Möglichkeiten und Grenzen der Wahl- und Prognoseforschung. Teilnehmer sind Dr. Andreas Graefe (LMU), Prof. Dr. Andrea Römmele (Hertie School of Governance, Berlin) und Prof. Dr. Rüdiger Schmitt-Beck (Universität Mannheim). Die Moderation hat Katrin Schmick (WDR).

SPD: Ausreißer nach oben

Prognose des WahlergebnissesDie Probe aufs Exempel haben jetzt auch Dr. Christian Ganser und Patrick Riordan vom Institut für Soziologie mit einer eigenen Prognose gemacht. Die ebenfalls am CAS-Schwerpunkt beteiligten Wissenschaftler haben 1000 zufällig ausgewählte Personen nach ihrer Einschätzung des Wahlausgangs gefragt. Anders als die klassische Sonntagsfrage, die jeweils nur die aktuelle Stärke der Parteien spiegele, liefere eine solche Wahlerwartungsfrage tatsächlich eine Prognose des Wahlergebnisses, argumentieren Ganser und Riordan. Sie mache sich dabei die „Weisheit der Vielen“ zunutze: „Oftmals ist die Einschätzung einer Situation durch eine größere Personengruppe genauer als die durch wenige Experten“, so Ganser und Riordan, „weil sich die unterschiedlichen Sichtweisen der Gruppenmitglieder ergänzen und sich Fehler in der Einschätzung ausgleichen.“

In dieser Prognose liegt die Union bei 39,4 Prozentpunkten. Auffallend freilich ist dabei das Abschneiden der Sozialdemokraten: Sie kommen danach auf 30,6 Prozent der Stimmen, auf deutlich mehr als in anderen Umfragen. Die FDP würden mit 6,2, die Grünen mit 11,2 und die Linke mit 5,8 Prozent in den Bundestag einziehen. Die Piratenpartei und die Alternative für Deutschland scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Anders als in vielen anderen Umfragen würde es damit noch nicht einmal für eine knappe Mehrheit von Schwarz-Gelb reichen.

Die gängige Kritik, Wahlerwartungsfragen gäben ohnehin nur das wieder, was die Medien über die jeweiligen Stärken der Parteien publizierten, sehen die beiden LMU-Soziologen angesichts solcher Abweichungen schon einmal in Frage gestellt. Im Nachgang zur Wahl wollen sie detailliert untersuchen, „ob die Wahlerwartungsfrage eine gute Prognose geliefert hat oder weit daneben lag“. Dann werde sich auch zeigen, welche Unterschiede es in der Einschätzung des Wahlausgangs zwischen Ost- und Westdeutschen oder besser und schlechter politisch Informierten gab.

 

Weitere Informationen:

Prognoseforschung: Einfach das richtige Ergebnis“ - Spotlight vom 21. August 2013

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