Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Buchveröffentlichung

München wird moderner

München, 06.06.2013

München wird moderner. Stadt und Atmosphäre in den langen 1960er JahrenDie LMU-Kulturwissenschaftlerin Simone Egger zeichnet die Entwicklung Münchens in den 1960er-Jahren nach.

„Nirgendwo sonst gibt es dieses magische Mixtum von Urwüchsigkeit und Urbanität“, schrieb der Spiegel 1964 über München und kürte „das Millionendorf“ im Süden zu Deutschlands heimlicher Hauptstadt. Nachdem München nach dem Ende des Krieges nicht nur sprichwörtlich am Boden lag, entwickelte sich die Stadt danach überaus positiv und wuchs in den 1960er-Jahren doppelt so schnell wie jede andere deutsche Großstadt. Was in dieser Phase mit der Stadt und den Befindlichkeiten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner geschah, hat die LMU-Kulturwissenschaftlerin Simone Egger untersucht. „Die 1960er-Jahre sind für die Gegenwart Münchens ungeheuer bedeutend. Die Entscheidungen, die damals für die Stadt getroffen wurden, wirken wesentlich über diesen Zeitraum hinaus“, sagt Egger.

„München wird moderner“ hieß es Mitte der 1960er-Jahre auf Holztafeln in der ganzen Stadt. Das städtische U-Bahn-Referat versuchte damit ein gewaltiges Bauvorhaben zu erklären: Die Anlage eines S- und U-Bahn-Netzes sollte das Stadtzentrum vom Verkehr entlasten und die Verbindung zum Umland verbessern. Der U-Bahn-Bau war nur ein Teil des sogenannten Jensen-Plans, mit dem 1963 die weitreichende Umgestaltung Münchens beschlossen wurde. Auch durch privatwirtschaftliche Initiativen wandelte sich das Stadtbild. Zahlreiche Firmensitze wie der Vierzylinder von BMW wurden gebaut, gleichzeitig entstanden neue Stadtteile wie der Arabellapark und Neuperlach Süd.

Mit dem Zuschlag für die XX. Olympischen Sommerspiele erfuhr Münchens Transformation nach 1966 eine neue Dynamik. Bis 1972 wurde nun verwirklicht, was eigentlich bis in die 1990er-Jahre hinein dauern sollte. Mit dem Olympiapark und dem Olympischen Dorf entstand auf dem Oberwiesenfeld im Nordwesten von München eine moderne Stadtlandschaft.

Weltstadt mit Herz

Die Münchnerinnen und Münchner betrachteten die Modernisierung ihrer Stadt mit einer Mischung aus Stolz und Skepsis. „Einerseits begrüßten sie den Ausbau der Infrastruktur, aber viele waren von den Maßnahmen betroffen oder stimmten nicht mit den Plänen überein“, sagt Simone Egger.

Eine „Weltstadt mit Herz“ zu sein, gab sich die Stadt Anfang der 1960er-Jahre als Motto vor. Der Slogan stammt von der Münchnerin Dorit Lilowa, die ihn im Rahmen einer Ausschreibung eingereicht hatte und für ihre zugkräftige Idee damals 2500 Mark erhielt. „Der Slogan ist eine Momentaufnahme und kann doch als Devise für die ganze Dekade gelten“, sagt Simone Egger.

München wurde moderner und großstädtischer, am Beispiel von Schwabing zeigte sich gleichzeitig eine Liberalisierung des Alltags. Die Leopoldstraße und der Englische Garten wurden zu Anziehungspunkten für Besucherinnen und Besucher aus ganz Europa und den USA. Jugendlichkeit galt als Lebensstil. Filmschaffende und Studierende, Musikerinnen und Musiker begegneten sich in den unzähligen Lokalen von Schwabing.

1972 wurden die Olympischen Spiele unter strahlend blauem Himmel ausgetragen. Die Farben des Gestalters Otl Aicher brachten die Stadt zum Strahlen. München gab sich regional verbunden und wirkte dabei überaus international. München war das „Traumziel aller Welt“, schrieb eine Modezeitschrift. Die Atmosphäre der Spiele war heiter – bis die Stimmung von dem terroristischen Überfall auf die israelische Olympiamannschaft jäh unterbrochen wurde.

Simone Egger lässt in ihrer Dissertation, die nun im transcript-Verlag erschienen ist, nicht nur das München der 1960er-Jahre auferstehen. Sie zeigt am Beispiel von München wie spätmoderne Entwicklungen, gesellschaftlicher Wandel und die einsetzende Globalisierung eine Stadt verändern und was das für die Menschen bedeutet, die in ihr leben. Für ihre Dissertation hat die Kulturwissenschaftlerin 2012 einen Promotionspreis der Universitätsgesellschaft und den Hochschulpreis der Landeshauptstadt München erhalten.
nh

Publikation:
Simone Egger
München wird moderner. Stadt und Atmosphäre in den langen 1960er Jahren (Urban Studies)
transcript 2013, 482 S.
ISBN 978-3-8376-2282-9

 

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse