Ludwig-Maximilians-Universität München
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Schule

Lernen wie die anderen

München, 19.02.2013

Ob Schülerinnen und Schüler für Tests üben und pünktlich zum Unterricht erscheinen, hängt von ihrer Klasse ab. Wie Einzelne darin das Lernklima beeinflussen, zeigt eine neue Untersuchung der Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer.

Die persönliche Lerneinstellung eines Kindes hängt zu fast einem Zehntel davon ab, in welcher Klasse es sich befindet. Das zeigt eine Studie der Entwicklungspsychologin Mechthild Schäfer und ihres Teams von der Fakultät für Psychologie und Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Für die Untersuchung wurden 1159 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufe an Gymnasien zu ihren Lerneinstellungen befragt. Sie wurden außerdem gebeten, die sozialen Strategien ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler zu bewerten sowie deren Popularität in der Klasse einzuschätzen. Gefragt wurde etwa „Wer von Euch ist immer nett zu anderen, um zu kriegen, was er/sie will?“ oder „Wer kommandiert andere herum, um seinen Willen zu kriegen?“.

Die Daten zeigen, dass das Lernklima der ganzen Klasse von jenen Mädchen und Jungen bestimmt wird, die von den anderen als dominant und populär beschrieben werden. Einzelne Kinder haben damit einen großen Einfluss auf den schulischen Erfolg ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Machiavellisten im Klassenzimmer
Zu den einflussreichsten Klassenpersönlichkeiten zählen die sogenannten „Bistrategen“, die sich sowohl gezielt freundlich verhalten als auch Zwang anwenden, um innerhalb der Klasse zu dominieren. Im Schnitt streben 14,2 Prozent der Kinder in einer Klasse nach Macht. Ein Viertel von ihnen gilt als Bistrategen, die auch als Machiavellisten bezeichnet werden können, da sie positives und negatives Verhalten gleichermaßen einsetzen, um ihre dominante Stellung aufzubauen und zu festigen.

Die Befragung zum Lernklima ist Teil eines Forschungsprojekts über soziale Dynamik und Lernverhalten im Klassenzimmer. Ziel der Forschung ist es, Module für Schulen zu entwerfen, die es dem Lehrpersonal ermöglichen, sich hinsichtlich des Zusammenhangs von Gruppendynamik und Lerneinstellungen fortzubilden. Diese Fragestellung wird von Mechthild Schäfer und ihrem Team künftig unter anderem im Rahmen eines von der Europäischen Union und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts weiterverfolgt. nh

Publikation im Erscheinen:
Wer ist der Boss? Zum Zusammenhang zwischen der sozialen Dynamik im Klassenzimmer und Einstellungen zum Lernen
Sebastian Schwanke und Mechthild Schäfer
Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2013, Special Issue Peerbeziehungen, 3/2013

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