Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Demenzforschung

„Das Beste wäre eine vorbeugende Impfung“

München, 22.07.2013

Forscher des SyNergy-Clusters an der LMU öffnen ihre Labore. Am Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy) erforschen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen die Mechanismen neurologischer Krankheiten. In Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft München haben die Forscher nun eine Gruppe von Demenzpatienten eingeladen, am 30. Juli mit ihren Angehörigen die Labore zu besuchen. Ein Gespräch mit Christian Haass, Professor für Stoffwechselbiochemie an der LMU und Sprecher des SyNergy-Clusters.

haas_535

Sie laden Demenzpatienten in Ihr Labor ein. Wie kommt es dazu?
Christian Haass: Für Wissenschaftler ist der direkte Kontakt mit Patienten ein wichtiger Anstoß für ihre Arbeit. Die Initiative dazu ging von unseren Doktoranden aus. Wir wollen Patienten und ihren Angehörigen erklären, was aus unserer Sicht bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer passiert und wie man dieses Wissen vielleicht eines Tages in eine Behandlung umsetzen kann.

Wie lässt sich Alzheimer mit einfachen Worten erklären?
In unseren Gehirnen bilden sich Ablagerungen, die gezielt Nervenzellen schädigen. Die aussichtsreichste Idee, diese Krankheit zu heilen ist, zu verhindern, dass diese Klumpen überhaupt entstehen. Das Beste, was man machen könnte, wäre dagegen zu impfen, so wie beispielsweise bei der Kinderlähmung. Man weiß bereits, dass Antikörper die Ablagerungen erkennen, zerstören oder sogar deren Entstehung verhindern – vorausgesetzt man impft früh genug. Das wird momentan weltweit in Studien an Patienten getestet.

Können sich also Patienten schon berechtigte Hoffnung machen?
Nein, da muss man sehr vorsichtig sein. Es passiert leider nur zu oft, dass Patienten und ihren Angehörigen wegen vermeintlicher Durchbrüche in der Forschung riesige Hoffnungen gemacht werden. Aber im Moment gibt es noch nichts, womit wir die Krankheit in irgendeiner Weise stoppen könnten. Es gibt Medikamente, die die Krankheit ein bisschen modulieren, sodass sich die Gedächtnisfähigkeiten etwas verbessern, aber sie halten die Krankheit nicht auf.

Bei SyNergy arbeiten Forscher verschiedener Fachrichtungen zusammen. Welche Chancen eröffnet das?
Bisher hat sich die Forschung nur auf einen Aspekt der Krankheit konzentriert, zum Beispiel auf die Schädigung der Nervenzellen. In jedem Gehirn von Alzheimer-Patienten gibt es aber noch andere Schädigungen. Es gibt zum Beispiel kein einziges Alzheimer-Gehirn ohne Entzündung. Außerdem gibt es Probleme beim Blutfluss im Gehirn. Das Zusammenspiel von Problemen mit Blutgefäßen im Gehirn, entzündlichen und neurologischen Fehlern wollen wir verstehen.

Was versprechen Sie sich von dem Besuch?
Ich erwarte, dass wir sowohl Angehörige als auch Patienten verständlich über die Fortschritte, aber auch über die Probleme bei den Bemühungen, die Krankheit aufzuhalten, informieren. Für unsere Doktoranden und Doktorandinnen erwarte ich einen massiven Motivationsschub. Ich bin begeistert, dass diese Initiative von ihnen ausging, das zeigt, wie verantwortungsvoll und begeistert junge Wissenschaftler im Exzellenzcluster arbeiten.

Interview: nh

Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy)
Gemeinsame Mechanismen neurologischer Krankheiten endlich auch gemeinsam zu erforschen – in diese Forschungslücke stößt der neue Exzellenzcluster SyNergy – Munich Cluster for Systems Neurology. Mehrere Dutzend Münchner Wissenschaftler und Ärzte – Neurologen, Radiologen und Nuklearmediziner, Molekularbiologen, Biophysiker und Bioinformatiker – folgen dieser neuen Forschungsstrategie und analysieren, wie degenerative, entzündliche und vaskuläre pathologische Prozesse bei neurologischen Leiden ineinandergreifen.

Bund und Länder fördern den SyNergy-Cluster, der nicht nur auf Grundlagenforschung setzt, sondern auch die klinische Forschung befruchten will, im Rahmen der Exzellenzinitiative bis 2017. Beteiligt sind neben der LMU als Sprecheruniversität die Technische Universität München, das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das Helmholtz Zentrum München sowie die Max-Planck-Institute für Biochemie, Neurobiologie und Psychiatrie.

Prof. Dr. Christian Haass ist Inhaber des Lehrstuhls für Stoffwechselbiochemie an der LMU, Standortsprecher München des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Sprecher des SyNergy-Clusters.

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse