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Lode Pollet mit ERC Starting Grant ausgezeichnet

München, 28.11.2012

Der LMU-Physiker Professor Lode Pollet wird für ein Projekt zur Quantensimulation mit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet. Die Förderung beträgt rund 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre. Mit einem Starting Grant fördert der ERC zukunftsweisende Grundlagenforschung, indem er herausragende, besonders kreative Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt.

Theoretischen Konzepten zufolge können sogenannte Quantensimulatoren den Zugang zu komplexen physikalischen Prozessen ermöglichen, die mit klassischen Verfahren nicht mehr zu erschließen sind. Für bestimmte fundamentale Bausteine der Materie funktionieren diese Simulationen bereits recht gut, für andere allerdings gibt es noch keine geeigneten Simulationsmethoden. Ein neuer Typ von Quantensimulator, in dem ultrakalte Atome in einem optischen Gitter angeordnet werden, verspricht nun bessere Ergebnisse.

„Die Kontrollierbarkeit und die feinen Kalibrierungsmöglichkeiten dieses Systems stellen einen großen Fortschritt dar“, sagt Pollet. Die Eignung dieses Systems wird durch den Vergleich mit numerischen Simulationen untermauert, deren Ergebnisse auf kurzen Zeitskalen hervorragend reproduziert werden. Das neue System liefert jedoch auch für längere Zeiträume, die für klassische Methoden nicht mehr zugänglich sind, aussagekräftige Ergebnisse.

Universelle Simulation von Vielteilchensystemen

Pollet möchte im Rahmen seines ERC-geförderten Projekts „Quantum Simulation of Many-Body Physics in Ultracold Gases (QUSIMGAS)“  neue Quanten-Monte-Carlo-Methoden entwickeln, um die Grenzen der numerischen Anteile der Quantensimulation weiter auszudehnen. „Die neuen Methoden basieren auf sogenannten Feynman-Diagrammen und sollen ein generelles Gerüst zur Simulation von Vielteilchensystemen bilden - dies würde die Entwicklung eines universellen Quantensimulators, der das Verhalten jedes beliebigen Quantensystems beschreiben kann, einen großen Schritt voran bringen“, erklärt Pollet, „Im Erfolgsfall könnten unsere neuen Methoden auch auf offene Fragen in der Festkörperphysik und den Materialwissenschaften angewendet werden“. Der Schwerpunkt von Pollets Arbeiten wird dabei auf dem Gebiet der ultrakalten Gase liegen, wo eine direkte experimentelle Überprüfung der Ergebnisse möglich ist.

Der gebürtige Belgier Lode Pollet studierte Bauingenieurwesen und Physik an der Universität Gent (Belgien), wo er 2005 im Fach Physik auch promovierte. Danach forschte er als Postdoktorand an der ETH Zürich (Schweiz), der University of Massachusetts at Amherst (USA) und der Harvard University (USA). 2010 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die ETH Zürich. Seit 2011 hat Pollet eine Professur für Funktionale Nanosysteme an der LMU inne. (göd)

 

Der ERC Starting Grant

Mit einem Starting Grant fördert der ERC exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, deren Promotion nicht länger als sieben Jahre zurück liegt. Ziel ist der Aufbau oder die Konsolidierung eines unabhängigen exzellenten Forschungsteams. Grundlage für die Entscheidung des Europäischen Forschungsrats ist die wissenschaftliche Exzellenz der Antragsteller sowie des beantragten Projekts. Es muss sich um innovative Forschung handeln: riskant, aber im Erfolgsfall mit einem zukunftsweisenden Erkenntnisgewinn verbunden. Gefordert ist zudem ein hohes Maß an Interdisziplinarität.

 

 

 

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