Ludwig-Maximilians-Universität München
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Alzheimer-Forschung

Christian Haass erhält ERC Advanced Grant

München, 21.12.2012

Der Biochemiker Professor Christian Haass wird für ein Projekt zur Erforschung der Alzheimer-Krankheit vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit einem bis zu 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Investigator Grant ausgezeichnet. ERC Advanced Grants ehren europäische Forscher, die bereits herausragende Leistungen in den Wissenschaften erbracht haben. Damit sollen sie für ihre hoch innovative Forschungsvorhaben die nötigen Freiheiten erhalten. Haass leitet den Lehrstuhl für Stoffwechselbiochemie an der LMU und ist Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München.

An Alzheimer leiden derzeit etwa 18 Millionen Menschen –  bis 2025 werden es wahrscheinlich doppelt so viele sein. Noch gibt es keine Heilung. Zwar vermutet man, dass Alzheimer mit der sogenannten Amyloid-Kaskade beginnt: Senile Plaques, bestehend aus falsch gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden, lagern sich im Gehirn an und sind vermutlich der Auslöser der Krankheit. Aber welche der unterschiedlichen Beta-Amyloid-(Aβ-)Peptide für die tödliche Kaskade letztlich verantwortlich sind, ist auch 20 Jahre nach deren Entdeckung in menschlichen Zellen durch Haass selbst immer noch unbekannt.

Nun will Haass mithilfe seines Projekts „Identification and modulation of pathogenic Amyloid β-peptide species“ Licht ins Dunkel bringen. „Weil wir die genauen Peptide noch nicht kennen, waren vielleicht die bisherigen Therapieversuch nicht zielgerichtet genug“, sagt Haass. Gelingt es, eine pathogene Aβ-Art zu identifizieren, könnte Haass diese Peptide auch als Biomarker nutzen. Mit seinem Forschungsvorhaben betritt Haass Neuland in der Alzheimer-Forschung und untersucht erstmals, ob und wie die Bildung von pathogenen Aβ-Peptiden zu beeinflussen ist. Diese  Aβ-Ansammlungen könnten dann mit neuartigen Eingriffen moduliert werden.

Um dies zu erreichen, soll genomweit nach Proteinen gesucht werden, die die Bildung von krankhaften Aβ-Arten gezielt und ohne Nebenwirkung beeinflussen. Sie zu verändern ist extrem schwierig, verspricht im Erfolgsfall aber einen hoffnungsvollen Ansatz für die Therapie. Zudem untersucht Haass auch die Gemeinsamkeiten von Alzheimer mit anderen Krankheiten, etwa der Frontotemporalen Demenz.

Interdisziplinäre Forschungen

Das Projekt befasst sich aber nicht nur mit Studien in Zellsystemen. Haass untersucht auch an Tiermodellen die kurzfristigen und langfristigen Effekte von potentiellen Medikamenten in individuellen Tieren. „Unsere Herangehensweise ist interdisziplinär: Von molekularer Analyse bis zu bildgebenden Verfahren in vivo – damit hoffen wir, Alzheimer besser zu verstehen“, sagt Haass. Mithilfe seiner Forschungen will er nicht nur die Mechanismen verstehen, nach denen diese Form der Demenz funktioniert, sondern auch neue Biomarker identifizieren und die Grundlagen für neue therapeutische Ansätze schaffen.

Professor Christian Haass studierte Biologie an der Ruprechts-Karls-Universität in Heidelberg, wo er 1989 auch promoviert wurde. Anschließend war er bis 1992 Post-Doc im Zentrum für Neurologische Erkrankungen an der Harvard Medical School, wo er anschließend eine Assistenzprofessur inne hatte. 1995 erhielt Haass eine Professor für Molekularbiologie in Mannheim und wechselte 1999 an die LMU. Seitdem hat er den Lehrstuhl für Stoffwechselbiochemie inne. Seit 2009 ist er auch der Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München. Für seine Forschungen wurde Haass mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2002 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der DFG. Seit 2012 ist Haass zudem Sprecher des Exzellenzclusters „Munich Cluster for Systems Neurology (Synergy)“.

Der ERC Advanced Investigator Grant

Der ERC fördert mit dem Advanced Investigator Grant hochinnovative Forschung, die erheblich über den bisherigen Forschungsstand hinausgeht. Ziel ist es, neue Forschungsgebiete zu erschließen. Um einen Grant zu erhalten, muss ein Antragsteller seiner herausragende wissenschaftliche Exzellenz beweisen. Zudem muss der Projektvorschlag originell und stimmig sein.

 

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