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Neurowissenschaft

Schädigt Kopfballspiel das Gehirn?

München, 14.11.2012

Die Angst der Neuronen vor dem Kopfball: Eine neue Studie hat im Gehirn von Profifußballern großflächige Veränderungen festgestellt. Betroffen sind Gehirnregionen, die unter anderem für die Aufmerksamkeit und das Erinnerungsvermögen wichtig sind.

Fußball ist die beliebteste Sportart weltweit. Fußball ist auch die einzige Sportart, bei der der Kopf während des Spiels Kontakt mit dem Ball hat - ohne etwa durch einen Helm geschützt zu sein. Von anderen Sportarten wie etwa American Football, sind die negativen Auswirkungen wiederholter Stöße für das Gehirn bereits bekannt. Umstritten aber war, ob Kopfbälle auf dem Fußballfeld schädlich sind, selbst wenn sie keine offensichtliche Gehirnerschütterung auslösen.

Forscher der LMU und der Harvard Medical School in Boston haben nun erstmals Veränderungen im Gehirn bei Profifußballern nachgewiesen. „Es handelt sich dabei um Veränderungen, wie sie von Patienten mit Gehirnerschütterung bekannt sind, nur in leichterer Form“, sagt Dr. Inga Katharina Koerte, die Erstautorin der Studie. „Betroffen ist die weiße Substanz, wo die Datenverbindungen des Gehirns laufen, und hier Regionen, die für die Aufmerksamkeit, die visuelle Verarbeitung, komplexe Denkvorgänge und das Erinnerungsvermögen zuständig sind.“

Fußball contra Schwimmen
In die Studie waren zwölf männliche Profifußballer aus deutschen Vereinen einbezogen, die bisher keine Gehirnerschütterung erlitten hatten. Acht professionelle Schwimmer, die den Fußballern im Alter entsprachen, bildeten die Kontrollgruppe. „Bei dieser Sportart kommt es in aller Regel zu keinen wiederholten Gehirntraumata“, sagt Koerte, die sowohl am Klinikum der Universität München, wo die Daten erhoben wurden, als auch am Brigham and Women´s Hospital, das der Harvard Medical School affiliiert ist, forscht.

Konventionelle Magnetresonanzverfahren, wie sie in Kliniken routinemäßig zum Einsatz kommen, zeigten keine Abnormalitäten. Die Forscher nutzten deshalb die weitaus empfindlichere Diffusionstensor-Magnetresonanztomographie, die mikroskopische Details in der Architektur von Geweben darstellen kann. So konnten die Struktur, die Organisation und die Dichte der weißen Substanz untersucht werden: Im Vergleich zu den Gehirnen der Schwimmer zeigten sich großfläche Veränderungen in diesen Gehirnbereichen.

Köpfen als Krankmacher?
„Es ist nicht klar, wie diese Schäden entstehen“, sagt Co-Autorin Dr. Martha Shenton vom Brigham Women´s Hospital. „Wiederholte leichte Erschütterungen wie sie beim Kopfballspielen entstehen, sind eine mögliche Ursache. Weitere Forschung ist nun nötig, um die Auswirkungen der Gehirnveränderungen auf die geistige Leistungsfähigkeit zu klären.“ Weit reichende Effekte könnten die Folge sein, denn die weiße Substanz fungiert als Netzwerk, das die neuronale Kommunikation im Gehirn erst ermöglicht. (Brigham and Women´s Hospital/LMU) (JAMA, 14. November 2012)

Diese Studie wurde von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, sowie den US-amerikanischen, staatlichen Einrichtungen INTRuST und NIH unterstützt.

Ansprechpartner:
Dr. Inga Katharina Koerte
Klinikum der Universität München und Harvard Universität
E-Mail: inga.koerte@med.lmu.de

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