Ludwig-Maximilians-Universität München
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Krebsforschung

Das Tumorwachstum stoppen

München, 11.10.2012

Krebs gehört weltweit weiterhin zu den tödlichsten Erkrankungen. Ein neues Projekt zielt nun darauf ab, das tumorfördernde Molekül EpCAM zu hemmen, um so neue Therapieansätze zu entwickeln.

Das Molekül EpCAM, kurz für „Epithelial Cell Adhesion Molecule“, wird von vielen Krebszellen und auch von Krebsstammzellen in großer Menge produziert und begünstigt das Wachstum der Tumoren. EpCAM soll daher als Angriffspunkt für neue Tumortherapien dienen, so auch in einem neuen Projekt unter der Leitung von Professor Olivier Gires, Klinikum der Universität München, und Dr. Dierk Niessing, Helmholtz Zentrum München.

„Wir arbeiten an der Identifikation und Charakterisierung neuer und noch spezifischerer, niedermolekularer Hemmstoffe, die die EpCAM-Funktion regulieren können“, erläutert Gires das Vorhaben. Dafür durchforstet das Forscherteam zunächst Sammlungen niedermolekularer, natürlicher und synthetischer Komponenten unter Verwendung ausgeklügelter zellulärer Systeme. Die Forscher hoffen, hier Hinweise auf verwendbare niedermolekulare EpCAM-Inhibitoren zu finden.

Potentielle Wirkstoffe digital testen

Der Strukturbiologie Niessing erarbeitet parallel die dreidimensionale Komposition von EpCAM-Signalmolekülen. In einer digitalen Simulation testet er dann gemeinsam mit Bioinformatikern, ob der atomare Aufbau potenziell wirksamer Molekülen mit den Bindungsstellen von EpCAM zusammenpasst. Dabei erarbeitet er auch Vorschläge, inwieweit geeignete Kandidaten in ihrem Aufbau verändert werden müssten, um deren Wirkung zu optimieren. Vielversprechende Hemmstoffe wollen die Forscher dann im Labor auf ihre tatsächliche Wirksamkeit testen.

Im Blick haben Gires und Niessing insbesondere die Bindungsstelle zu einem zentralen Interaktionspartner von EpCAM. Ohne diesen kann EpCAM nicht aktiv werden. Ziel ist es, ein Molekül zu finden, das in seiner atomaren Struktur ebenfalls an die Bindungsstelle passt und diese blockieren kann. Es könnte das Partner-Molekül verdrängen, und EpCAM würde wirkungslos bleiben.

Neben der Suche nach neuen Hemmstoffen haben die Forscher auch bereits bekannte Medikamente im Blick. Deren Wirksamkeit wollen sie durch eine Kombinationstherapie unterstützen. Dafür planen sie, neben den gängigen therapeutischen Antikörpern Hemmstoffe der EpCAM-Aktivierung einzusetzen, die gezielt gegen EpCAM gerichtet sind. So wollen Gires und Niessing das Tumor-Protein gewissermaßen mit einem „Doppelschlag“ in seiner Wirkung hemmen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund  200.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

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