Ludwig-Maximilians-Universität München
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Molekularbiologie

RNA bringt Erbsubstanz in Form

München, 28.09.2012

Die Verpackung der DNA im Zellkern spielt eine wichtige Rolle für die Kontrolle der Genfunktionen. Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass kleine RNA-Moleküle die Zugänglichkeit der genetischen Informationen entscheidend mitbestimmen.

Das Genom von Lebewesen liegt im Zellkern dicht verpackt vor: Dazu wird die fadenförmige DNA zu sogenannten Nukleosomen gewickelt, die perlschnurartig aneinandergereiht und durch spezielle Proteine dicht gepackt sind. Der entstehende DNA-Protein-Komplex wird Chromatin genannt. Damit genetische Informationen abgelesen werden können, muss die entsprechende DNA-Region allerdings zugänglich sein. Dies funktioniert nur, wenn die Erbsubstanz als sogenanntes Euchromatin mit einer relativ offenen Struktur vorliegt.

Wissenschaftler um den LMU-Molekularbiologen Axel Imhof und den Regensburger Biochemiker Gernot Längst konnten nun sogenannte snoRNAs als Moleküle identifizieren, die bei der Fruchtfliege Drosophila eine wichtige Rolle für die Öffnung der Chromatinstruktur spielen. snoRNAs sind kleine RNA Moleküle, die im Zellkern häufig zu finden sind, aber bisher eher als Kofaktoren für bestimmte RNA-Modifikationen bekannt waren.

Bindungsmechanismus identifiziert

„Mithilfe unserer Untersuchungen konnten wir zudem den Bindungsmechanismus aufklären und den sogenannten Drosophila Dekondensationsfaktor 31 – kurz Df31 – als Brücke zwischen den snoRNAs und Chromatin identifizieren“, erklärt Imhof. Df31 vermittelt spezifisch die Bindung von snoRNA an das Chromatin und ist damit Teil eines RNA-Protein-Netzwerks, das an der Entstehung von Euchromatin beteiligt ist.

Die Ergebnisse der Studie könnten auch helfen, die Ursachen von Fruchtbarkeitsstörungen aufzudecken, denn der Umbau von Chromatin ist auch bei Vorgängen wie etwa der Spermiogenese ein zentraler Aspekt. „Bei Fliegen mit defektem Df31 ist die Chromatinentpackung im väterlichen Zellkern nach der Befruchtung gestört. Möglicherweise laufen ähnliche Prozesse auch im Säugersystem ab“, sagt Imhof.
(Molecular Cell, 2012)   göd

 

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