Ludwig-Maximilians-Universität München
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Forscher-Blog

Expedition zum feurigen Herz der Erde

München, 17.09.2012

Am 22. September wird ein deutsch-französisches Forscherteam in See stechen, um bei La Réunion - einem der ältesten und aktivsten Vulkane der Erde - feurige Magmaströme aus dem Erdinneren zu vermessen. Ein Blog wird die Expedition dokumentieren.

Der Vulkanismus der Insel La Réunion wird von einer riesigen Magmaquelle gespeist, die nicht an Plattengrenzen gebunden ist und ihren Ursprung vermutlich im tiefsten Erdinneren hat. Während die Erdplatten über diesen sogenannten Hotspot hinwegdrifteten, entstand eine etwa 5500 Kilometer lange feurige Spur, deren Beginn im Dekkan-Plateau in Indien liegt. Dort ergossen sich vor 65 Millionen Jahren ungeheure Lavamengen, die das globale Klima massiv beeinflussten.

Ein derartiger Aufstieg heißer Gesteinsschmelze tief aus dem Erdmantel, der sich wie ein Schweißbrenner an die Erdoberfläche frisst, wird als Mantelplume bezeichnet. Wie tief Mantelplumes wirklich reichen, wird unter Wissenschaftlern allerdings immer noch kontrovers diskutiert. Die LMU-Geophysikerin Dr. Karin Sigloch, die das Projekt auf deutscher Seite leitet, will nun im Rahmen einer deutsch-französischen Kooperation dem mutmaßlichen Mantelplume unter La Reunion auf den Grund gehen und erkunden, wo sein Ursprung liegt und auf welchen Wegen das Magma die Erdoberfläche erreicht.

Die bislang größte Messkampagne

„Wir wollen so tief ins Erdinnere blicken wie keine Expedition zuvor: bis zum untersten Erdmantel in etwa 2900 km Tiefe - bisherige Expeditionen haben höchstens die Hälfte geschafft“, sagt Sigloch. Um ihr Ziel zu erreichen, brauchen die Wissenschaftler vor allem viele Messstationen, die weitflächig ausgelegt werden und Erdbebenwellen aufzeichnen: Am 22. September stechen sie mit dem französischen Forschungsschiff Marion Dufresne in See, um auf einer Fläche von 4 Millionen km² knapp 60 seismische Meeres-Messgeräte und ca. 30 Land-Messstationen auszubringen - die bisher größte derartige Messkampagne weltweit. Dazu kommen noch etwa 70 existierende seismische Landstationen um den Indischen Ozean herum, deren Ergebnisse mit einbezogen werden sollen.

Mit den resultierenden Daten wollen die Wissenschaftler tomographische 3-D-Bilder erzeugen, die das Erdinnere von der Oberfläche bis zum Erdkern durchleuchten - und ganz neue Erkenntnisse über Struktur, Dynamik und Geschichte der Erde vermitteln können. Plumes greifen in den Wärmehaushalt der Erde ein, indem sie quasi einen Kurzschluss zum Erdinneren darstellen–ihre Auftriebskräfte gestalten das Bild des Globus mit. Beginnen wird die Auswertung allerdings erst in einem Jahr, wenn die Messgeräte wieder eingesammelt werden - dann mithilfe des deutschen Forschungsschiffs Meteor.

Am Projekt sind neben den Wissenschaftlern der LMU auch Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, der Universitäten Frankfurt und Münster sowie der Universität La Réunion und vom Institut de Physique du Globe Paris (IPG Paris) beteiligt.    göd

 

Weitere Informationen:

  • Während der Fahrt wird Dr. Karin Sigloch einen Blog schreiben, der hier www.rhum-rum.net/blog gelesen werden kann. Der Blog ist erreichbar ab dem 22. September 2012.

 

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse