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Philologie

„Lyriktheorie(n) der italienischen Renaissance“

München, 07.08.2012

Bis heute arbeiten Literaturwissenschaftler an einer übergreifenden Lyriktheorie. Ein neues Werk spürt den Anfängen dieser Bemühungen in der italienischen Renaissance nach - und deren Bedeutung für die Gegenwart.

Im Italien der Renaissance - einem Kulturraum mit europaweiter Strahlkraft - wurden erstmals Bemühungen um ein übergreifendes Lyrikkonzept greifbar. Diese Anstrengungen waren nur bedingt erfolgreich - prägen aber die Lyriktheorie bis heute. Die LMU-Philologen Professor Florian Mehltretter und Professor emeritus Gerhard Regn untersuchen nun zusammen mit Professor Bernhard Huss von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg in einem neuen Buch die „Lyriktheorie(n) der italienischen Renaissance“.

Als literarische Gattung war die volkssprachliche Lyrik für die Kultur der Renaissance in Italien besonders wichtig und zeigte große Breitenwirkung. Schließlich ließ sie Eliten der zunehmend höfisch geprägten Gesellschaft literarische Kompetenz beweisen - und so dem Ideal des kultivierten Verhaltens entsprechen. Die Versiertheit im Schreiben von Versen und Prosa zielte vor allem auf die „poesia amorosa“, die zum galanten Spiel mit der Liebe gehörte und mit der Musik als festem Bestandteil höfischen Lebens locker verbunden war.

Sag es wie Petrarca

Der Erfolg der Lyrik in der ganzen Gesellschaft ist eng mit dem Erfolg ihres wichtigsten Repräsentanten verbunden: Petrarcas volkssprachliche Lyrik bestach durch ihre Eleganz, war semantisch eingängig und damit relativ leicht zugänglich. In der Manier Petrarcas zu dichten, wurde im Zuge der Kanonisierung des Dichters sogar zu einer prestigeträchtigen Angelegenheit. Hilfestellung lieferten hier einige kommentierte Ausgaben, in denen unter anderem das Vokabular, die rhetorischen Figuren und die Metaphern Petrarcas aufgelistet waren - als Instrumentarium für Nachahmer.

Petrarcas Kommentatoren wollten in erster Linie aber den Autor in hellem Licht erstrahlen lassen. Hinweise zu Aspekten der Gattungspoetik finden sich nur vereinzelt. „Um zu verstehen, wie in der italienischen Renaissance über Lyrik als Gattung nachgedacht wurde, musste unser Augenmerk also über diese Werke hinausgehen“, sagt Mehltretter. Letztlich konnten die Autoren auf diesem Weg die Haupttendenzen der Lyriktheorie in diesem wichtigen Kulturraum sichtbar machen - wie auch das Scheitern all dieser Bemühungen.

Keine Einheit in der Vielfalt

Denn schon zu Beginn der Theoretisierung der Lyrik als literarische Gattung zeichnete sich eine noch heute aktuelle Problematik ab: Die Vielfalt der lyrischen Gegenstände unterminiert alle Versuche der Vereinheitlichung: „Die Extension und die Intension der Lyrik ließen und lassen sich konzeptuell nur unzureichend in Einklang bringen“, sagt Regn. Dennoch besteht eine - oft unausgesprochene - Überzeugung, dass es eine Einheit des Lyrischen gibt, auch wenn sich dessen Identität nicht in Form eines klar konturierten Lyrikkonzepts dingfest machen lässt.

Dieses ungelöste Spannungsverhältnis wird nun meist mit Hilfe der „Familienähnlichkeit“ entschärft, wonach sich lyrische Formen und Gegenstände mit Verwandten vergleichen lassen: Gemeinsamkeiten sind vorhanden, ohne einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“ zu erfordern. „Dennoch bleibt das Ziel bestehen, der Lyrik eine unverwechselbare Identität zu geben“, betont Mehltretter. „Wie wir zeigen konnten, greift die Lyriktheorie bei dieser Sisyphosarbeit bis heute auf die in der italienischen Renaissance begonnenen Versuche zurück.“ (suwe)

Buch:
Lyriktheorie(n) der italienischen Renaissance
Bernhard Huss, Florian Mehltretter, Gerhard Regn (Autoren)
De Gruyter, 290 Seiten, Mai 2012
ISBN-13: 978-3110282627

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