Ludwig-Maximilians-Universität München
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Wachkoma

Wachkoma

Ethische Aspekte neuer Diagnosetechniken

München, 07.08.2012

Neue Verfahren der Hirnforschung versprechen bessere Möglichkeiten für Diagnose und Prognosestellung bei Wachkoma-Patienten. Neuroethiker untersuchten nun die daraus entstehenden ethischen und sozialen Fragen und stellen Lösungsansätze vor.

Moderne Intensivmedizin kann das Leben vieler schwer verletzter oder erkrankter Patienten retten - selbst wenn deren Gehirn dauerhaft geschädigt bleibt. Manche dieser Patienten bleiben für Jahre oder sogar Jahrzehnte in einem sogenannten Wachkoma, sofern sie durch medizinische Maßnahmen wie künstliche Ernährung am Leben erhalten werden. Therapieentscheidungen für Wachkomapatienten stellen Ärzte und Angehörige sowohl in ethischer als auch in medizinischer Sicht vor große Herausforderungen.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre wurden aufsehenerregende neue Untersuchungsmethoden publiziert, bei denen Hirnfunktionen mittels bildgebender Methoden untersucht werden. Obwohl diese Verfahren noch nicht Standard sind, werden Ärzte immer öfter mit Anfragen konfrontiert, sie für Diagnostik und Prognose zu nutzen. Der LMU-Mediziner Ralf Jox stellt in einer neuen Studie diese Verfahren vor und setzt sich mit den ethischen und sozialen Fragen auseinander, die sie aufwerfen.

„Unser Ziel ist es, konkrete Empfehlungen für Ärzte zu erarbeiten, was in der Kommunikation mit Angehörigen zu beachten ist und wie sich durch die Orientierung an Therapiezielen Entscheidungen über lebenserhaltende Maßnahmen erleichtern lassen“, sagt Jox. Entscheidend ist für Jox dabei ein intensiver Dialog mit den Angehörigen, der Chancen und Grenzen von Therapieoptionen klarer werden lässt und Entscheidungen über lebenserhaltende Maßnahmen erleichtert.

Die Studie entstand im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekt zur Neuroethik des Wachkomas. Detaillierter dargestellt werden verschiedene ethische, rechtliche, soziale und medizinische Aspekte des Wachkomas in dem Band „Vegetative State - A Paradigmatic Problem of Modern Societies“, den Jox gemeinsam mit den LMU-Kollegen sowie dem kanadischen Neuroethiker Eric Racine herausgab. (The Lancet Neurology, 2012)        göd

 

Publikation
Disorders of consciousness: responding to requests for novel diagnostic and therapeutic interventions.“
R.J. Jox, J.L. Bernat, S. Laureys, E. Racine
The Lancet Neurology, Volume 11, Issue 8, Pages 732 - 738, August 2012
doi:10.1016/S1474-4422(12)70154-0

Buch:
Vegetative State - A Paradigmatic Problem of Modern Societies: Medical, Ethical, Legal and Social Perspectives on Chronic Disorders of Consciousness
R.J. Jox, K. Kuehlmeyer, G. Marckmann, E. Racine (Hrgs)
LIT Verlag Münster, 2012, 288 Seiten
ISBN 9783643900975

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