Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Delikater Balanceakt

Sterngeburten im Carina-Nebel

München, 04.06.2012

Eine neue Infrarot-Aufnahme des Weltraum-Teleskops Herschel zeigt die stellare Kinderstube des Carina-Nebel in bislang unerreichter Auflösung. Dabei zeigt sich: Ob neue Sterne entstehen, hängt auch von massereichen Sternen in ihrer Umgebung ab.

Carina-Nebel - Foto: ESA
Foto: ESA

Der Carina-Nebel beherbergt einige der hellsten und massereichsten Sterne in der Milchstraße. Von der Erde aus gesehen ist diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas eine der prominentesten stellaren Kinderstuben. Forscher um den LMU-Astronomen Thomas Preibisch haben nun mit dem Weltraum-Obervatorium Herschel der ESA (European Space Agency) die Zusammensetzung dieser Brutstätte der Gestirne in bislang unerreichter Detailliertheit aufgenommen. Herschel erfasst für das menschliche Auge unsichtbares Infrarot-Licht und ermöglicht so eine spektakuläre Sicht auf Carina.

Das Bild zeigt ein ganzes Sammelsurium von Blasen, Filamenten und säulenartigen Strukturen. Dabei variiert die Dichte von recht diffusen bis zu kompakteren Konzentrationen von Materie. Diese Struktur erklärt sich durch die vielen sehr massereichen Sterne in der Region, die Plasmawinde und große Mengen ionisierender Strahlung aussenden. Offensichtlich beeinflussen die Riesen damit auch die Entstehung neuer Sterne: Die Winde können einerseits die verfügbare Materie zerstreuen. Andererseits können sie vorhandene Wolken aber auch komprimieren.

Widerstrebende Effekte im Fokus

Die neue Aufnahme ist besonders interessant, weil sie beide Effekte zeigt: In der Bildmitte und im oberen Bereich überwiegt die Zerstreuung. Hier ist nur noch diffuses Material sichtbar, das recht hell in den kürzesten und energiereichsten von Herschel erfassbaren Wellenlängen strahlt. Unten links dagegen kommt eine Reihe länglicher Strukturen zum Vorschein, die als die „Südlichen Säulen“ bezeichnet werden. An deren Basis weist das Gas-Staub-Gemisch eine außergewöhnliche Dichte auf, da die umliegende Materie durch den Einfluss schwerer Sterne zu wenigen kompakten Klumpen komprimiert wurde.

Zur Zeit entstehen in diesen Säulen neue Sterngenerationen. Durch die energiereichen Winde und die Strahlung der massereichen Sterne geformt, erzählen die Gebilde von dem überaus empfindlichen Gleichgewicht zwischen fördernden und störenden Einflüssen auf die Entstehung von Sternen. Die Aufnahme gibt Einblick in diese widerstrebenden Effekte und kann den Astronomen ermöglichen, die Geschichte der Sternenbildung im Carina-Nebel im Detail zu entschlüsseln. (Astronomy & Astrophysics, Mai 2012)

Weitere Informationen und Bilder

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse