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Moderne Hunderassen -

Weit entfernt von ihren genetischen Wurzeln

München, 30.05.2012

Der Hund ist der beste Freund des Menschen – und wurde nach dessen Vorstellungen gezüchtet. So wurden Tiere geschaffen, die sich von ihren vorgeschichtlichen Ahnen weitgehend „genetisch abgekoppelt“ haben, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Den Wolf im Schoßhund sucht wohl niemand mehr, als Wildvorfahre des Haushundes ist er dennoch unumstritten. Nach einer aktuellen Studie haben sich die modernen Hunderassen aber deutlich weiter als bislang vermutet von ihren genetischen Wurzeln entfernt. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der englischen Durham University analysierte dabei Teile der genetischen Ausstattung von 35 modernen Hunderassen und Wölfen.
„Obwohl die Domestikation des Hundes vor mehr als 15.000 Jahren erfolgte, ist diese zeitliche Tiefe in modernen Hunderassen genetisch bisher nicht nachweisbar“, sagt der LMU-Domestikationsforscher Professor Joris Peters, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Heutige Hunde sind sozusagen genetisch von ihren vorgeschichtlichen Ahnen abgekoppelt.“
Dies kommt auch für die Forscher überraschend, ähneln einige dieser Rassen doch etwa den Hundedarstellungen in altägyptischen Königsgräbern. Aber nicht einmal als „alt“ klassifizierte und international anerkannte Hunderassen wie der japanische Akita und der chinesische Shar-Pei tragen das Langzeiterbe in ihren Genen.

Genetische Außenseiter
Andere Hunde wie der australische Dingo und der Basenji (Kongo-Terrier) besitzen eine jeweils spezifische genetische Signatur, die bisher als Anzeichen für das hohe „Alter“ dieser Rassen gewertet wurde. Tatsächlich aber sind solche Signaturen das Ergebnis einer geografischen Isolierung dieser Rassen, die es verhinderte, dass es in jüngerer Zeit zu Einkreuzungen kam.
Keine der untersuchten Rassen kann daher als wirklich alt gelten. Verantwortlich für ihre genetische „Entwurzelung“ war wohl die intensive Zucht – und auch Inzucht – der letzten Jahrhunderte mit dem Ziel, gewünschte Eigenschaften zu erhalten und Tiere mit besonderem Aussehen zu erzeugen. Aber auch andere Ereignisse wirkten sich auf die genetische Diversität der Tiere aus, etwa Völkerwanderungen und auch Kriege, die die Hundepopulationen immer wieder dezimierten.

Der lange Weg zum Haustier
Hunde sind weit verbreitet und ihre Haltung reicht zurück bis in die letzte Eiszeit, was die Erforschung ihrer Domestikationsgeschichte erheblich erschwert. So ist weiter unklar, wann, wo und wie oft Wölfe vom Menschen domestiziert wurden. Auch die Mensch-Hund-Beziehung in der Vor- und Frühgeschichte liegt noch weitgehend im Dunkeln. Während man die Tiere wohl früh als Wach-, Jagd- oder Hirtenhunde verwendet hat, lassen sich Schoßhunde archäologisch erst im Klassischen Altertum nachweisen.
Im Vergleich zu früheren Zeiten muss sich das Haustier Hund heute in vielen Teilen der Welt sein Auskommen nicht mehr verdienen. „Das Aussehen und das Verhalten moderner Züchtungen würden unsere Vorfahren wohl in größtes Erstaunen versetzen“, vermutet der Evolutionsbiologe und Projektleiter Professor Greger Larson von der Durham University. „Die Erforschung moderner Rassen hat bisher nicht ergründen können, wo, wann und wie diese wunderbare Beziehung zwischen Mensch und Hundzustande kam.“
(PNAS, 21.05.2012) Durham University/suwe

Weitere Informationen:

"Gefährdete Geparden - Große genetische Unterschiede erschweren Artenschutz" - Presseinformation vom 17. Januar 2011

"Des Grautiers graue Vorzeit - LMU-Forschung zur Domestikation des Hausesels" - Presseinformation vom 02. August 2010

 

 

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