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Gletschermann Ötzi: Blutkonserve aus dem Eis

München, 03.05.2012

Ötzi ist noch immer für eine wissenschaftliche Überraschung gut: Einem internationalem Forscherteam ist der Nachweis von roten Blutkörperchen an den Wunden der 5000 Jahre alten Gletschermumie gelungen - und damit der älteste Blutnachweis überhaupt.

„Es gab bislang keine Erkenntnisse darüber, wie lange Blut erhalten bleibt – geschweige denn wiemenschliche Blutkörperchen aus der Kupferzeit aussehen“, sagt Privatdozent Albert Zink, Leiter des Instituts fürMumien und den Iceman der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), der auch dem GeoBio-Center sowie dem Center for NanoSciences (CeNS) der LMU angehört. Auch in der modernen Gerichtsmedizin sei es bisher fast nicht möglich, bei Tatortuntersuchungen das exakte Alter einer Blutspur zu bestimmen.

Zink ist hier zusammen mit Marek Janko und Robert Stark, Materialwissenschaftler am Center of Smart Interfaces der TU Darmstadt, hier nun aber ein Durchbruch gelungen: Die Forscher untersuchten mit nanotechnologischenMethoden, die die Mikrostruktur von Blutkörperchen und kleinsten Blutgerinnseln analysieren, dünne Gewebeschnitte aus Ötzis Pfeileinschuss-Wunde am Rücken sowie auseiner Schnittwunde an der rechten Hand. Im Rasterkraftmikroskop konnten sie rote Blutkörperchen nachweisen.

Blutkörperchen mit modernen Design

Diese roten Blutkörperchen mit der klassischen „Doughnut-Form“ liegen auch beim gesunden modernen Menschen vor. „Wir wolltendann absolut sichergehen, dass es sich nicht um Pollen, Bakterien oder einen Negativ-Abdruckeines Blutkörperchens handelt“, berichten Janko und Stark, die ebenfalls demCeNS angehören. Sie setzen dabei auf die Raman-Spektroskopie, die Gewebeproben mit intensivem Licht bestrahlt, so dass sich mittels eines Streulichtspektrums unterschiedliche Moleküle identifizieren lassen.

Auch diese Bilder stimmten mit modernen Proben menschlichen Bluts überein. In der Pfeileinschusswunde konnte zudem Fibrin nachgewiesen werden. Dieses Protein steuert die Blutgerinnung. „Da Fibrin bei frischen Wunden auftritt und sich anschließend wieder abbaut, untermauert dieser Fund die These, dass Ötzi direkt im Anschluss an seine Verletzungdurch den Pfeil gestorben ist und nicht erst Tage danach, wie zwischenzeitlich einmal vermutetworden war.“, erklärt Alber Zink.
( „Journal of the Royal SocietyInterface“, 2. Mai 2012)  EURAC/suwe

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