Ludwig-Maximilians-Universität München
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Botanisches Barcoding: Neue Arten auf genetisch lesen

München, 24.04.2012

Wo viele Leute ohnehin nur Grünzeug sehen, können auch Botaniker viele Arten nur schwer identifizieren. Um jede neue Spezies unverwechselbar zu machen, wird künftig die einzig universelle Sprache das bislang übliche Latein bei der Erstbeschreibung ablösen. LMU-Forscher wagen die Premiere.

Brunfelsia plowmaniana heißt sie, lebt in den bolivianischen und argentinischen Anden - und ist eine Pionierin. Das hat allerdings weniger damit zu tun, dass diese Pflanze eine eigene, von der brasilianischen Spezies Brunfelsia uniflora unabhängige Art ist, wie eine neue Studie zeigt, die ein Team um LMU-Forscherin Professor Susanne Renner vorgelegt hat. Vielmehr ist Brunfelsia plowmaniana die erste Pflanze mit einer auf modernen Methoden beruhenden Erstbeschreibung - die zu ihrer Diagnose statt der bisher üblichen lateinischen Diagnose mithilfe morphologischer Merkmale einen sogenannten "DNA-barcode" mit englischer Erläuterung erhielt.

Die Erstbeschreibung gilt als Grundlage für die Identifikation einer Art. Sie soll möglichst viele Details, auch zum Fundort und gegebenenfalls zur Lebensweise, enthalten. Sie kann auf Englisch oder auf Latein verfasst sein. Dazu aber verlangte das Regelwerk für die Benennung von neuen Arten bis zum 31. Dezember 2011 eine lateinische Kurz-Diagnose. Am 1. Januar 2012 hat sich dies geändert: Nun dürfen Diagnosen auch auf Englisch verfasst sein, und weil sich viele nah verwandte Arten nur auf molekularer Ebene unterscheiden lassen, bietet es sich an, die Neubeschreibung von Arten nun auf ein modernes wissenschaftliches Fundament zu stellen.

Künftig werden wohl mehr und mehr Forscher neue Pflanzenarten mithilfe eines DNA-Barcodes beschreiben. Das ist eine genetische Erkennungssequenz, die sich selbst aus historischem Pflanzenmaterial gewinnen lässt und in den meisten Fällen eindeutig einer jeden Art zugeordnet werden kann. Der DNA-barcode ersetzt nun die bisherige lateinische Diagnose und sollte künftig auch den Nachweis erleichtern, ob eine Art tatsächlich neu und bislang noch nicht beschrieben ist. (phytokeys online 22. März 2012) suwe

 

Weitere Informationen

„Wo die wilden Gemüse wohnen - Gurke und Melone stammen aus Asien und Australien“ - Presseinformation vom 20. Juli 2010

„Bäumchen wechsel Dich nicht“ Presseinformation vom 27. Januar 2012

„Gesammelte Erkenntnisse“ - Artikel im Einsichten-Newsletter 01-2011

„Wo die wilden Gemüse wohnen“ - ScienceCast vom 02. Dezember 2012

 

Verantwortlich für den Inhalt: Kommunikation und Presse