Ludwig-Maximilians-Universität München
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Paläontologie: Der Aufstieg der südlichen Tyrannen

München, 23.05.2012

Auf ein Handgemenge waren sie wohl nicht aus: Sind die Stummelarme des Tyrannosaurus schon legendär, so waren die räuberischen Abelisauriden der südlichen Hemisphäre noch dürftiger ausgestattet - als Folge einer überraschend langen Entwicklungsgeschichte.

Rekonstruktion des Sekelttes von eoabelisaurus (Grafik: Oliver Rauhut)

Während Tyrannosaurus und seine Verwandtschaft die Ebenen Nordamerikas und Asiens durchstreiften, machten die Abelisauridae die Weiten Patagoniens und andere Gegenden in Gondwanaland unsicher. Die bis zu zehn Meter langen Raubsaurier der südlichen Hemisphäre glichen den nördlichen Tyrannosauriern in vielen Merkmalen. Einmalig aber war ihr ungewöhnlich hoher und kurzer Schädel, der mit dieser charakteristischen Form auf einen sehr kräftigen Biss schließen lässt.

In anderer Hinsicht aber lagen die nördlichen Raubsaurier vorn: Selbst mit seinen Stummelärmchen war Tyrannosaurus rex im Vergleich zu den Abelisauriden noch üppig ausgestattet. Der LMU-Paläontologe Dr. Oliver Rauhut, der auch der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München angehört, und sein argentinischer Kollege Diego Pol, konnten nun zeigen, wie es zur Reduktion der Extremität kam - und dass den Abelisauriern dafür erstaunlich viel Zeit blieb.

Unbekannte Ursprünge

„Bekannt ist, dass die Abelisaurier in der Kreidezeit sehr artenreich und weit verbreitet waren“, sagt Rauhut. „Ihr Ursprung aber lag überwiegend im Dunkeln.“ Das Fossil eines neuen Abelisauriden aus Patagonien, lieferte hier nun wichtige Erkenntnisse: Das Tier lebte in der Jurazeit und damit 40 Millionen Jahre vor dem bislang ältesten bekannten Vertreter der Gruppe - und hatte bereits in Ansätzen verkümmerte Arme.

Eoabelisaurus mefi tauften Rauhut und sein argentinischer Kollege Diego Pol die Spezies, also „Abelisaurier der Morgenröte des Museo Palentológico Egidio Feruglio (MEF)“, das das langjährige Projekt der Wissenschaftler unterstützte. „Das zeigt, dass die Abelisauriden eine sehr viel längere Evolutionsgeschichte haben, als wir bisher dachten“, betont Rauhut. „Man weiß so wenig, weil der Fossilbericht der südlichen Raubsaurier vor allem vom mittleren Jura bis zur unteren Kreide extrem unvollständig ist.“

Überraschend war auch, dass Eoabelisaurus zu einer Zeit lebte, als noch alle Landmassen im Superkontinent Pangäa vereint waren - und die Abelisaurier doch nicht global verbreitet war. „Wir vermuten, dass eine riesige Wüste im zentralen Pangäa die Ausbreitung der Abelisaurier in den Norden verhinderte und sie zu einer typisch südlichen Entwicklungslinie werden ließ“, sagt Pol. Geologische Untersuchungen und Klimamodelle lieferten schon in den letzten Jahrzehnten Hinweisen auf eine solche geografische Barriere.

Extreme Extremitäten

Wie aber entwickelten sich die kümmerlichen Arme der Abelisaurier? „Dieser Prozess hat wohl sehr früh und quasi von unten her begonnen“, so Rauhut. „Bei Eoabelisaurus zumindest war der Oberarm normal, der Unterarm aber deutlich verkürzt und die Hand sogar sehr kurz und nur mit winzigen Fingergliedern und Krallen bewehrt.“ Vor Kurzem wurde von amerikanischen Paläontologen postuliert, die Reduktion der Arme könne bei den Abelsauriern von den Händen her begonnen haben, was hiermit bestätigt scheint.

Ihr gemeinsames langjähriges Projekt zu den jurassischen Dinosauriern aus Patagonien, das bisher von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der argentinischen Agencia Nacional de Promoción Científíca y Tecnológica gefördert wird, möchten Rauhut und Pol auch in Zukunft weiterführen. „Bislang prägten vor allem Funde der nördlichen Halbkugel das Bild der Evolution der Dinosaurier im Jura“, sagt Rauhut. „Funde aus der südlichen Hemisphäre werden uns hier sicher noch einige Überraschungen bescheren.“
(Royal Society B, 23. Mai 2012)    suwe

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